Familien-Newsletter:Die Kinder und der Krieg

Unser Autor hat einen Clown begleitet, der immer wieder in die Ukraine fährt, um Jungen und Mädchen vom Kriegsalltag abzulenken - zumindest für einen Moment.

Von Julian Gerstner

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der Süddeutschen Zeitung, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit ich Vater bin, hat sich mein Blick auf vieles im Leben verändert. Mir kommen leichter die Tränen, wenn in meinem Umfeld etwas sehr Schönes oder Trauriges passiert. Ich schaue auch anders Nachrichten. Kriegsbilder gehen mir näher als früher, besonders wenn Kinder involviert sind.

Wahrscheinlich hat mich auch deshalb die Geschichte von Anatoli Michaelis so beeindruckt. Ein Trompetenlehrer, in Kiew geboren, schon lange in Deutschland, der in den Schulferien keinen Urlaub macht, sondern in die Ukraine fährt, um Kinder zum Lachen zu bringen. Ein Clown im Krieg. Ich habe ihn bei einem Auftritt in Weimar begleitet, im Publikum saßen ukrainische und deutsche Kinder. Dabei ist dieses Porträt entstanden, mit tollen Bildern meines Kollegen Mark Siaulys Pfeiffer.

Siebenmal war Anatoli Michaelis seit dem 24. Februar 2022 in der Ukraine, um in Waisenhäusern, Luftschutzkellern und Kliniken zu spielen. Manchen Kindern fehlten Hände oder Beine, andere saßen im Rollstuhl, gingen auf Krücken. "Ich bin über 60, an der Front bin ich keine große Hilfe", sagt er. "Aber als Clown kann ich etwas für mein Land tun."

Nach den Vorstellungen rennen die Kinder auf ihn zu, umarmen ihn, fragen, wann er wieder kommt. Sein Motto: "Wenn Menschen lachen, leben sie weiter." Am Abend nach dem Auftritt hat Anatoli Michaelis mir erzählt, wie sehr ihm der Krieg zusetzt. Die Bilder von Jungen, die nach einem Raketenangriff erst wieder Laufen lernen müssen. Mädchen, die vor ihrer toten Mutter sitzen und weinen.

Meine Tochter ist jetzt sieben Monate alt. Noch mache ich mir keine Gedanken darüber, wie ich ihr mal erklären soll, warum es solche Kriege gibt, warum Menschen andere Menschen töten. Aber das wird kommen. Mit diesem Thema haben sich meine Kolleginnen Carolin Fries und Christine Mortag schon vor ein paar Monaten beschäftigt: Wie redet man mit Kindern über Krieg? Sie haben mit einer Psychologin, einem Digital-Coach und einer Redakteurin für Kindernachrichten gesprochen.

Mich würde interessieren, wie Sie damit zu Hause umgehen. Schauen Sie zusammen Nachrichten? Oder lieber andere Formate? Und wie stehen Sie zu Tiktok? Eine Plattform, die den Krieg so unmittelbar wie nie zuvor übers Handy ins Kinderzimmer holen kann. Ich freue mich, wenn Sie mir schreiben.

Ein schönes Wochenende wünscht

Julian Gerstner

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