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"Er sagt, sie sagt" zu Tischmanieren:Warum bin ich nie König?

Er: Wenn der Gast König ist - warum gilt das nicht auch für mich? Neulich bei Tanja, als sie mich gefragt hat, ob ich noch ein Stück von dem Lachs möchte, hast du mich doch auch getreten!

Sie: Nur ein bisschen gestupst.

Er: Das war ein Rempler, mindestens!

Sie: Ich hatte das Gefühl, Henry hätte gern noch etwas gewollt. Nur weil du Gast bist, musst du ja nicht deine Manieren vergessen.

Er: Manieren? Hast du nicht gemerkt, wie irritiert Tanja war, als ich gesagt habe, dass ich nichts mehr möchte? Sie hat es als Beleidigung verstanden.

Sie: Das war doch nur Getue.

Er: Ich sehe schon, bei dir bin ich nie König, egal ob Gast oder Gastgeber. Wann, bitteschön darf ich eigentlich mal so viel essen, wie ich möchte?

Sie: Bei meiner Mutter. Die freut sich, wenn du ordentlich reinhaust. Am Wochenende sind wir eingeladen.

Die Küche ihrer Eltern. Die Schwiegermutter fährt eine Batterie an Schüsseln und Töpfen mit Essen auf.

Schwiegermutter: Komm, Junge, nimm noch ein Stück Rinderbraten.

Er: Danke, ich möchte nichts mehr.

Schwiegermutter: Schmeckt es dir etwa nicht?

Er: Nein, alles gut. Ich möchte nur lieber nicht.

Sie (stupst ihn unterm Tisch an): Iss doch was!

Schwiegermutter: Was hast du denn - bist du krank?

Er: Nein, aber ich soll mich beim Essen zurückhalten, den anderen zuliebe. Findet deine Tochter.

Schwiegermutter: Sag mal, stimmt das, Verena? Bist du verrückt? Das kannst du nicht machen!

Er: Siehst du?

Sie: Das ... das stimmt ja gar nicht! Natürlich sollst du essen. Hier, nimm! (Legt ihm zwei Kartoffeln, Brokkoli und ein Stück Braten auf den Teller).

Er stupst wortlos gegen ihr Schienbein und deutet mit dem Kinn Richtung Sauciere.

Sie: Du brauchst du noch Soße? Aber sicher. Schatz!!!

Er: Danke, Liebes. Du bist so gut zu mir. Schön, wenn man sich auch ohne Worte versteht.

Die besten Folgen der Kolumne "Er sagt, sie sagt" sind bei SZ Editionen als Buch erschienen.