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Aktuell:Lateinamerika

Zwei Millionen Menschen sind am Weltfrauentag in Chile auf die Straßen gegangen.

(Foto: Martin Bernetti/AFP)

Straßenschilder bekommen über Nacht plötzlich neue Namen, Frauen reißen Barrikaden ein und erscheinen nicht zur Arbeit. Warum?

Von Georg Cadeggianini

Was haben der Papst, ein chilenischer Dichter und ein Unabhängigkeitskämpfer gemeinsam? Nach ihnen sind große Straßen und Plätze in der chilenischen Hauptstadt Santiago benannt. Und: All diese Straßenschilder wurden vergangene Woche über Nacht verdeckt, Aktivistinnen klebten die Namen berühmter Frauen darüber. Damit wollen sie darauf aufmerksam machen, dass Frauen in Lateinamerika oft schlecht behandelt werden. Das beginnt beim Machogehabe von Männern, die sich für etwas Besseres halten. Vor allem aber geht es um Gewalt. In Mexiko etwa haben zwei von drei Frauen, die älter als 15 Jahre sind, schon Gewalt erfahren. Sie wurden zum Beispiel geschlagen, beleidigt oder sexuell angegriffen. Dagegen gehen die Frauen jetzt auf die Straße, demonstrieren und tanzen: Zu einem Lied wiederholen Frauen in ganz Lateinamerika dieselben Schritte, dieselben Zeilen. Sie klagen Polizisten, Richter und Präsidenten an, die Gewalt an Frauen nicht wirksam bekämpfen. Am Montag unterstrichen die Frauen ihren Protest mit einem Streik und gingen nicht zur Arbeit. Vielleicht waren welche dabei, nach denen in Zukunft Straßen und Plätze benannt werden - nicht mit Stickern, sondern ganz offiziell.

© SZ vom 14.03.2020
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