Zum Tod von Ray Manzarek Subtiler Magier

Ohne Ray Manzarek hätten die Doors nie so geklungen, wie sie klangen. Der Rockgott aber hieß stets Jim Morrison. So war das. Und so blieb es. Allerdings: Manzarek hatte etwas, das seinem Sänger fehlte. Nun ist der Organist mit 74 Jahren gestorben.

Ein Nachruf von Jens-Christian Rabe

Jetzt ist Ray Manzarek tot, und es ist die Zeit der Liebenswürdigkeiten. Wie es sich gehört. Die Lexikoneinträge, die zu den Doors zu Lebzeiten Manzareks erschienen, klangen mitunter ganz anders. Im einst wichtigsten Pop-Lexikon etwa, der Encyclopedia of Popular Music, war zu den Versuchen Manzareks und Robby Kriegers, die Doors mit dem Sänger Ian Astbury von The Cult wiederauferstehen zu lassen, zu lesen, dass das doch - bei allem Respekt für Ian Astbury - ungefähr so sei, als wolle man ein neues Haus bauen ohne Türe: "(. . . ) a Morrison-less Doors is like building a new house without one".

Und in einem kleinen Text Joan Didions über einen Studiotag mit der Band im Frühjahr 1968 geht es im Grunde nur darum, wann der Sänger endlich auftaucht: "Ray Manzarek und Robby Krieger und John Densmore haben dafür gesorgt, dass die Doors so klingen, wie sie klingen, und vielleicht sind auch Manzarek und Krieger und Densmore dafür verantwortlich, dass in der Musik-Fernsehsendung American Bandstand 17 von 20 Befragten die Band für die beste überhaupt halten, aber es war Morrison, der dort in einer hautengen glänzenden Hose aufgetreten ist, ohne Unterwäsche darunter und die Idee dieser Band verkörperte, und es war Morrison, auf den jetzt alle warteten."

So war das. Und so blieb es. Der Rockgott hier hieß bitte sehr Jim Morrison. Ohne ihn gäbe es die mythische Skandal-Band The Doors nicht, die im Sommer der Liebe, wie Joan Didion schrieb, darauf bestand, dass Liebe Sex bedeutete und Sex den Tod, darin aber die Erlösung zu finden sei: "(. . .) love was sex and sex was death and therein lay salvation".

Sehr würdevoll ergraut

Man kann also guten Gewissens keinen Nachruf auf den Organisten und Popstar Ray Manzarek schreiben, ohne nicht erst mal über Jim Morrison zu schreiben. Aber auch jeder Text auf Jim Morrison, in dem der 1939 in Chicago geborene Manzarek fehlte, wäre nichts wert. Nicht zuletzt, weil er, wie der Rolling Stone einmal bemerkte, hatte, was Morrison fehlte: Subtilität. Man sehe sich auf Youtube nur das Video an, in dem er vor ein paar Jahren, sehr würdevoll ergraut hinter einem Fender Rhodes Piano sitzend, die Entstehungsgeschichte von "Riders On The Storm" erzählt und vorspielt.

Die Magie des Songs ist mit der ersten, ganz sachte getippten, zirkulären Basslinie der linken Hand da, die allein Manzareks Idee war. Und spätestens wenn die rechte das berühmte Riff dazu spielt - dadadadaa-dadadaa-dadadaa-dadaa -, ist auch klar, dass die oft so unsubtile, düster-virile Rock-Poesie Morrisons ohne den subtilen Tastenmann Manzarek vielleicht doch genauso wenig möglich und erfolgreich gewesen wäre wie der ewige Ruhm Manzareks ohne Morrison.

Am Montag ist Ray Manzarek während eines Krankenhausaufenthalts in Rosenheim an den Folgen einer Gallengangkrebserkrankung gestorben.