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Zum Tod von Günter Behnisch:"Er hatte ein erfülltes Leben"

Mit seinem kühnen Zeltdach für die Olympischen Spiele in München wurde er weltberühmt, mit seinem Plenarsaal in Bonn machte er die Republik transparenter: Günter Behnisch, Deutschlands berühmtester Architekt, ist tot.

Der Erbauer des Münchner Olympiastadions, Günter Behnisch, ist tot. Wie die Familie des Architekten bestätigte, starb Behnisch am Sonntag in seinem Wohnhaus in Stuttgart. Er wurde 88 Jahre alt.

Behnisch

Verfechter des demokratischen Bauens: Günter Behnisch in der neuen Residenz der Akademie der Künste in Berlin

(Foto: online.sdepolitik)

Behnisch galt als einer der führenden deutschen Architekten der Moderne, unter anderem bekam er mehrfach den Deutschen Architekturpreis.

Der gebürtige Dresdner durchlitt die Folgen des Machtmissbrauchs der Nationalsozialisten als Kriegsgefangener in England, bevor er 1947 ins zerbombte Deutschland zurückkehrte. Er zog nach Stuttgart, studierte dort an der Technischen Hochschule, war Mitarbeiter im Architektenbüro von Rolf Gutbrod und gründete Anfang der 50er Jahre mit zwei Mitarbeitern sein eigenes Büro.

1972 wurde Behnisch auf einen Schlag international bekannt: Der Wahl-Stuttgarter plante das schwebende Stadiondach im Münchner Olympiapark. Das viel diskutierte Dach aus Glas sollte ein Zeichen setzen für ein demokratisches Deutschland, das den Geist der Nationalsozialisten überstrahlen sollte. Die kühne Zeltkonstruktion mit einer Fläche von knapp 75.000 Quadratmetern wurde seinerzeit als Beispiel für eine elegante und dynamische Architektur gefeiert.

Glas dominiert auch das Hysolar-Institutsgebäude in Stuttgart aus dem Jahr 1987 und den Bonner Plenarsaal des früheren Bundestages von 1992. Behnisch galt als Verfechter des Prinzips des "demokratischen Bauens" und verwahrte sich gegen Status- und Machtsymbole in der Architektur, seine Arbeit prägt bis heute den Stil jüngerer Architekten-Generationen. Seine bevorzugten Materialien waren Beton, Holz und Stahlblech, aber auch Glas.

Der baden-württembergischen Landeshauptstadt blieb Behnisch bis zu seinem Tod treu. Er sei zu Hause gestorben, wo ihn seine Frau in den vergangenen Jahren gepflegt habe. Nach mehreren Schlaganfällen sei Behnisch halbseitig gelähmt und auf Hilfe angewiesen gewesen. Er sei jedoch bis zum Schluss ansprechbar gewesen, sagte sein Sohn. "Er hatte ein langes, erfülltes Leben."

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/woja/plin

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