Wong Kar-Wai im Interview:Endlich Nicht-Lover

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Kann man sich eine Liebe wie das Rauchen abgewöhnen? Im Gespräch sucht Wong Kar-Wai nach Antworten und erzählt, warum Norah Jones eine Kinostimme hat.

Tobias Kniebe

SZ: Könnte es sein, dass eine positive Wendung in Ihrem Schaffen eingetreten ist? In "My Blueberry Nights" sieht es zum ersten Mal so aus, als könnte eines Ihrer gebrochenen Herzen geheilt werden ...

Wong Kar-Wai im Interview: Immer mit Brille: Wong Kar-Wai drehte das erste Mal in den USA.

Immer mit Brille: Wong Kar-Wai drehte das erste Mal in den USA.

(Foto: Foto: Reuters)

Wong Kar-Wai: Vielleicht. Aber ich würde auf keinen Fall sagen, dass ich jetzt ein Happy End erzähle. Es geht um die Kunst des Abgewöhnens. Kann man sich eine Liebe abgewöhnen, wie man sich das Rauchen abgewöhnt? Wirkt sie wie eine Sucht, von der man sich nur langsam befreien kann? Das sind die großen Fragen dieses Films.

SZ: Alle Figuren scheinen in der Tat süchtig nach etwas zu sein, nach anderen Menschen vor allem - ersatzweise aber auch nach Blaubeerkuchen.

Wong: In der Tat. Und dann beginnt eine lange Phase des Abgewöhnens, die über große Umwege führt - und in manchen Fällen auch nicht gelingt. Ein glücklicher Moment ist für mich der, wenn Jude Law auf seine Exfreundin trifft, die von Can Marshall gespielt wird. Nicht, weil sie wieder zusammenkommen könnten, sondern weil sie auseinander gefunden haben. Sie sind glücklich damit, was aus ihnen geworden ist, sie bereuen nichts, und sie sind andere Menschen als damals. Die Wärme und das Verständnis, das man in dieser kurzen Begegnung spürt - das ist ein Happy End für mich.

SZ: Aber auch die letzte Szene, zwischen Norah Jones und Jude Law, scheint ein Versprechen zu enthalten...

Wong: Das würde ich ein "Happy Beginning" nennen. Nichts ist sicher, aber diese Szene könnte Ausgangspunkt für etwas Neues und Schönes sein. Doch das ist dann wieder ein ganz anderer Film.

SZ: Zugleich drehten Sie zum ersten Mal in englischer Sprache und in den USA. Was wollten Sie dabei entdecken?

Wong: Nichts, was ich vorher hätte benennen können. Der Moment, an dem ich zum ersten Mal einen fremden Ort erlebe, ist sehr wichtig für mich, sehr privat und sehr persönlich. Du wachst vielleicht gerade auf, nach 18 Stunden im Flugzeug, du gehst nach draußen, du atmest tief durch - und du reagierst auf den Ort. Ich habe versucht, solche Momente, die ich bei den Vorbereitungen erlebt habe, mit einer Fotokamera festzuhalten, um sie für den Film dann neu zu erschaffen.

Auf der nächsten Seite erzählt Wong Kar-Wai, wie Norah Jones zu ihrer Rolle kam.

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