Literatur-Kolumne:Was lesen Sie?

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Literatur-Kolumne: "Wer da hätte mitsummen dürfen!": Der Essayist Michael Maar.

"Wer da hätte mitsummen dürfen!": Der Essayist Michael Maar.

(Foto: Rolf Haid)

In unserer Interviewkolumne fragen wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller nach ihrer aktuellen Lektüre. In dieser Folge: Michael Maar.

Von Miryam Schellbach

Der Germanist und Literaturkritiker Michael Maar hat Bücher über Marcel Proust, Vladimir Nabokov, Harry Potter und Thomas Mann geschrieben. Zuletzt war er mit "Die Schlange im Wolfspelz. Das Geheimnis großer Literatur" für den deutschen Sachbuchpreis nominiert.

SZ: Was lesen Sie gerade, Herr Maar?

Michael Maar: Zaghaft-neugierig: David Deutsch, "Der Anfang der Unendlichkeit". Das Manuskript des bemerkenswerten Proust-Buchs "Der Elefant im Raum" von Andres Isenschmid. "Das Lächeln des Emigranten" von Haralampi Oroschakoff. Nachzüglerisch: "Meine Reisen durch den Film" von Harry Tomicek. Zu Unrecht zu wenig bekannt.

Bei welchem Buch haben Sie zuletzt geweint?

Beim Schluss der Novelle "Die drei Falken" von Werner Bergengruen.

Welches Buch gehört verboten?

Vielleicht der Index librorum prohibitorum? (Anm. d. Red.: Eine 1966 abgeschaffte Leseverbotsliste der katholischen Kirche, die erstmals während der Inquisition kursierte.)

Was haben Sie zuletzt aus welchem Buch gelernt, das Sie vorher nicht wussten?

Sehr viel über die Frage aller Fragen und das Pfauenrad der möglichen Antworten aus Jim Holts "Why does the world exist?" ("Gibt es alles oder nichts?"). Dreimal gelesen.

Wenn Sie vier Autorinnen oder Autoren zum Essen einladen dürften, auch nicht mehr lebende, wer säße mit am Tisch?

Marcel Proust, Joseph Roth, Borges und J.K. Rowling. An unserem Nebentisch Franz Werfel und James Joyce, die gemeinsam Verdi-Arien singen, wie 1937 nach einem PEN-Kongress im Pariser Fouquet's. Wer da hätte mitsummen dürfen!

Was täten Sie, wenn Sie plötzlich keine Bücher mehr sehen könnten?

Das ist zuzeiten schon passiert. Dann höre ich "Boris Godunow", Dvořáks Klavierquartette, Schostakowitschs "Präludien und Fugen", Chilly Gonzales oder Oregons "1000 Kilometers".

Ihr aktuelles Buch trägt den Untertitel "Das Geheimnis großer Literatur". Verraten Sie es uns?

Um den Anfang eines berühmten Romans abzuwandeln: Alle schlechten Bücher gleichen einander, jedes große Buch ist auf seine eigene Weise groß. Das Geheimnis ist das Individuelle. Wenn ich es in wenigen Sätzen enthüllen könnte, hätte meine Studie nicht so dick werden müssen. Das Geheimnis löst sie übrigens auch nicht auf.

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