Literatur-Kolumne:Was lesen Sie?

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Literatur-Kolumne: Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken.

Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken.

(Foto: Arno Burgi)

In unserer Interviewkolumne fragen wir bekannte Persönlichkeiten nach ihrer aktuellen Lektüre. In dieser Folge: Barbara Vinken.

Von Miryam Schellbach

Barbara Vinken ist Professorin für Literaturwissenschaft und Romanistik, in ihren Büchern, etwa über Kleist und Flaubert, geht es auch immer wieder um die ästhetischen Geheimnisse von Kleidung und Mode.

SZ: Was lesen Sie gerade?

Barbara Vinken: Ich lese Esther Kinskys "Rombo". Ein dichter, lyrischer Roman, der für eine Geologentochter wie mich die Kindheit auferstehen lässt: Moränen, Schotterfeld, Senkfeld, Kalkstein, Karst. Und die Fauna, in der meine Mutter zu Hause war. Durch die tektonischen Verschiebungen, die die Erdbeben in diesem Tal im Friaul 1976 um Venzone auslösten, erzählt Kinsky die sich ergebenden Verschiebungen in allen menschlichen Beziehungen: aus den einsamen Bergtälern ans touristisierte Meer, aus dem Mythos in die Lohnarbeit, wo Frauen aber "ein Glanz" sein können. Ein europäischer Roman, wunderbar.

Wenn Sie vier Autorinnen und Autoren zum Essen einladen dürften, auch nicht mehr lebende, wer säße mit am Tisch?

Madame de Sévigné, La Rochefoucauld, Madame de Lafayette und Stendhal. Und wenn ich noch ein Gedeck hätte, Racine. Eine elegantere, geschliffenere Konversation kann ich mir nicht vorstellen.

Welche Figur aus einem Roman fällt Ihnen immer wieder ein?

Man lebt mit vielen Romanfiguren zusammen, ich lebe am intensivsten mit der unglückseligen, einem immer die Tränen in die Augen treibenden Madame Bovary.

Welches Buch haben Sie eigentlich nur zu Dekorationszwecken?

Den "schwulen Opernführer", der hat einfach das hotteste Pink und ist so camp.

Welcher Roman hat die am besten gekleidete Hauptfigur?

Anna Karenina, auf dem Ball: Im einfachen schwarzen, sie wunderbar einfassenden Samt überstrahlt sie alles.

Lesen Sie lieber französische oder deutsche Gegenwartsliteratur?

Französische - aber das liegt an meiner unbedingten Liebe zu dieser so vollkommenen Sprache, die mich immer wieder überrascht und verzaubert.

Weitere Folgen der Interview-Kolumne lesen Sie hier.

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