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Vorschlag-Hammer:Unechte Tiere und echte Klänge

Das Internet wird 50. Grund genug, nach der Freude im Analogen zu suchen

Immer wenn das Internet ein Jubiläum hat, geht es auch um Tiere. Etwa so, dass man dann im Büro, völlig schuldlos, mit einem Epitheton wie "du böses Bison" versehen wird, was für den ulkigen Ton bei uns in der Redaktion spricht und eben auch für die Aufgeschlossenheit jüngerer Kolleginnen gegenüber den digitalen Verbreitungsmöglichkeiten lustiger Bilder. Leider sind hier im Haus nicht alle so fröhlich bescheuert, aber ein Anfang wird jeden Tag neu gemacht.

Aber eigentlich soll es hier gar nicht um Tiere gehen, deren Verwandtschaftsverhältnis zu mir mir rätselhaft ist, sondern darum, woher das Tier kommt. Also ums Digitale. Genauer gesagt: um dessen Negation. Dieser begegnete ich jüngst in Basel, im ehemaligen Radiostudio des SRF, das einst das modernste Studio Europas war und über ganz großartige Dinge verfügt. Zum Beispiel eine dreigeteilte Treppe, links Metallstufen, in der Mitte hölzerne, rechts welche aus Stein. Damit kann man dann für ein Hörspiel den Klang unterschiedlichster Treppen nachahmen. Sprechende Schauspielerinnen und Schauspieler laufen rauf und runter, bewegen sich auch noch durch ein Kiesbett, grob oder fein, oder knirschen wie im Schnee.

Nun ist das Studio leider geschlossen, wird abgerissen, aber Thom Luz macht es möglich, es noch einmal zu besuchen, er installierte dort sein Radio Requiem hinein. Zauberhaft. Der letzte Klang verlässt das Studio wie ein Nebel, und nie mehr wird es so sein, dass das, was hier hergestellt wurde, zur gleichen Zeit im Radio zu hören war. Ganz analog und echt.