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Vampire Weekend in Berlin:Halleluja!

Final Day -Glastonbury Festival 2013- Editors

Vampire-Weekend-Sänger Ezra Koenig auf dem Glastonbury Festival im Juni 2013

(Foto: dpa)

Als Ivy-League-Segelstudenten, als kluge Upper Class des amerikanischen Pop haben sie sich vorgestellt. Nun wollte man Vampire Weekend endlich auch einmal spielen sehen. Und ihr Konzert in Berlin geriet mit einem Wort: triumphal.

Von Joachim Hentschel, Berlin

Jetzt wollen wir doch mal schauen, wie die feinen Leute so feiern. Wie wahnsinnig aufregend diese Party wird, auf der die einen ständig aufpassen, dass ihnen keiner auf die neuen Tennisschuhe tritt. Und die anderen schon Terz machen, wenn ein Spritzerchen Gin Fizz auf dem zitrusgelben Polohemd landet oder jemand ihr "New Yorker"-Heft zerknittert.

So werden sie ja gesehen, Vampire Weekend, die interessanteste und erfolgreichste junge Gitarrenband der letzten Jahre. Besser: So haben sie sich uns selbst vorgestellt. Als Ivy-League-Segelstudenten, als kluge Upper Class des amerikanischen Pop. Einem romantischen, nicht googlebaren Bildungsideal verpflichtet, dadurch auch clever und geistig wendig genug, um mit der Gegenwart besser fertig zu werden als die meisten Impulskämpfer.

Und so ähnlich müsste es ja dann also auch bei ihren Konzerten zugehen. Eigentlich. Erst recht in Berlin, wo heutzutage noch der harmloseste kleine Chinohosen-Träger ein heimlicher Internetmillionär sein kann. Und wo es sich bei den jungen Leuten Ende 20 gerade als Freizeitspaß zu etablieren beginnt, am Wochenende raus nach Hoppegarten zum Pferderennen zu fahren. Und das fast ohne jede Ironie.

Wogender, schwitzender Triumph

So oder so: Nach dem endlosen Diskurs über ihre Oberbekleidung, ihre legendäre Kleinanzeige in der "New York Times", über das bejubelte, in den USA auf Platz eins geschossene dritte Album "Modern Vampires Of The City", die intertextuellen Querverweise und das Saab-Auto, das sie provokant für ein Video in Brand gesteckt hatten - nach dieser Masse an Bezügen und Theoriespuren wollte man die Band nun endlich auch einmal spielen sehen. Ganz einfach.

Bei aller intellektuellen Zurückhaltung und trotz der aufgestauten "So mies tanzt die Bildungselite"-Vorurteile, die man sich ja gerne noch eine Weile erhalten hätte: Das Konzert von Vampire Weekend im Astra Kulturhaus in Berlin-Friedrichshain, vor rund 1500 Menschen, war ein Triumph. Ein wogender, schwitzender Triumph, der viel darüber aussagt, wie Entertainment im Zeitalter des desillusionierten Pop noch funktionieren kann.

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