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Neues Album von Vampire Weekend:Natürlich nicht, was man erwartet hatte

Band Vampire Weekend

Ezra Koenig von Vampire Weekend bei einem Festival-Auftritt in Kalifornien im April 2013.

(Foto: REUTERS)

Nennst du sie böswillig Preppie-Popper, reagieren sie völlig leidenschaftslos: Vampire Weekend. "Never complain, never explain", das alte Windsor-Motto gilt den Klugen auch im Pop. Nun liefert die Band mit "Modern Vampires Of The City" ein neues Album von ergreifender Richtigkeit ab.

Es wird in der Zukunft noch mindestens einen wunderschönen Moment geben. Die New Yorker Band Vampire Weekend wird da im späten Honiglicht irgendeines Festivals spielen, vor zehntausend glücklichen Menschen; die Abendsonne wird sich perfekt auf den Beschlägen von Ezra Koenigs Gitarre und den Chromapplikationen des Drumkits spiegeln. Und gerade in dem Moment, in dem die Gläser ihrer Oliver-Peoples-Brillen endgültig in Sonnenflammen aufgehen und die letzten Töne von "Step" in die warme Fliederluft ziehen, genau dann wird Ezra Koenig seine Gitarre nehmen und sie leise und gründlich zerschlagen, er wird alles zerstören, und auf den letzten Rückkopplungen wird die Band im plötzlich einbrechenden Dunkel für immer verschwinden und das war er dann, der wunderschöne Moment.

Eventuell wird dann eine neue Jugendbewegung entstehen, endlich, nach den sinnlosen Punks, den dämlichen Slackern und den allzu ernsten Folk-Hipstern wird sich im Andenken an Ezra Koenig ein neuer, idealer Jungmensch formen: post-kapitalistisch gebildet, früh ausgeglichen und vielseitig interessiert und vor allem versehen mit einer geistigen Anmut, die ihn nie dogmatisch handeln, sondern sich im richtigen Moment für das Richtige entscheiden lässt, selbst wenn es die Selbstauslöschung beträfe.

Neben vielen anderen Talenten verfügen Vampire Weekend über diese Fähigkeit der wirklich reifen Entscheidung - schon seit ihrem unbetitelten Debüt. Es schlug mit einer Handvoll locker aus der Hüfte gewürfelten Hits eine so heilsame Bresche in den lange pathologisch an sich selbst leidenden Indiepop, dass man (noch ganz der alte Mensch) akribisch nach Erklärungen für diese wundersame Gabe aus der Hand von vier Bengeln suchte. Die Texte über Diplomatentöchter und das Oxforder Komma, ihre gebügelten Polohemden und Khaki-Shorts, insgesamt die geistige Herkunft aus der Ivy-League, das alles schien die Begeisterung über die frühen Vampire Weekend dann in etwa der Art dämpfen zu können, wie seinerzeit die Barbour-Jacke die ersten Rezeptionen von Krachts Faserland dämpfen konnte.

Die Band (und Kracht damals übrigens auch) verhielt sich dieser angetragenen Schnösel-Schematik, dieser üblen Nachrede von Preppie-Pop und WASP-Propaganda gegenüber völlig leidenschaftslos. Never complain, never explain - das alte Windsor-Motto gilt den Klugen auch im Pop. Mal traten sie in bester Ostküsten-Uniform auf die Bühne, mal in unmöglichen T-Shirts und Hawaiihemden. Und das hielt sie mindestens so rasend interessant wie die Entscheidung, das darauf folgende Album "Contra" zwar mit einer rehäugigen College-Schönheit in Ralph Lauren zu schmücken, inhaltlich aber zu einem weltmusikalisch orgelnden, irgendwie afrikanisch-manieriertem Stück Musik zu machen.

Es waren nur Ezras prägnanter Gesang und seine komisch kieksende Gitarre, die damals noch vom ersten Album übrig waren - und die ständige Bereitschaft, einem perfekten Song in der Mitte ein Bein abzunehmen und ihn dann nur noch zum Schlag einer blechernen Off-Beat-Snare im Kreis humpeln zu lassen. So funktioniert der Humor von Vampire Weekend, ein bisschen wie die Späße der Geheimbünde an den Eliteunis. Ihr Genie besteht darin, dass sie trotz dieses kosmopolitischen Diffundierens noch keinen einzigen schlechten Song veröffentlicht haben. Selbst das Humpeln findet bei ihnen in vollendeter Ästhetik statt, es ist nur niemals die Ästhetik, die man als Hörer erwartet hat.

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