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Taschenbücher:Für kindliche Leser

Das Erstlesebuch erzählt die Freundschaftsgeschichte von Giraffe und Pinguin. Und Größere erleben, wie es dem Helden gelingt, seine Ängste vor der Schule zu überwinden.

Von Hilde Elisabeth Menzel

Erstlesebücher mit ihren reduzierten Texten schaffen es selten auf Bestsellerlisten oder werden gar mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Beides ist "Viele Grüße, Deine Giraffe" gelungen, nicht zuletzt dank der hervorragenden Übersetzung des japanischen Textes von Ursula Gräfe.

Dass der Moritz Verlag den lustigen, kleinen Briefroman nun in einer Taschenbuchausgabe herausbringt, damit er auch in Schulen gelesen wird, ist sehr zu begrüßen.

Die Geschichte beginnt mit einem Brief an die Leser, in dem die Hauptperson "Giraffe" vorgestellt wird, die gebeten hat, ihre Geschichte aufzuschreiben, für Kinder, die sich "einsam fühlen oder denen langweilig ist". Sie hat nämlich ein Rezept gegen Langeweile gefunden: Briefe schreiben! Und weil ihr Freund Pelikan gerade einen Postdienst eröffnet hat, wird sie seine erste Kundin. Giraffes Brief ist "Für Dich auf der anderen Seite vom Horizont" adressiert, und Pelikan bringt ihn zur Postbotin Robbe, die ihn Pinguin übergibt. Der hat gerade seine Pinguininsel verlassen, um ans Kap der Wale zu ziehen, wo er beim Walprofessor zur Schule geht. Gemeinsam lesen sie Giraffes Brief, in dem von ihrem langen Hals die Rede ist. Doch was ein Hals ist, weiß weder der Walprofessor, geschweige denn der Pinguin, und Giraffe kann sich umgekehrt nicht vorstellen, wie jemand aussieht, mit einem schwarz weißen Federkleid. Es entsteht ein lebhafter Briefwechsel, der damit endet, dass Giraffe beschließt, sich als Pinguin zu verkleiden und die Reise von Afrika zum Südpol zu wagen, um ihn endlich kennenzulernen. Was für ein aberwitziges Unterfangen! (ab 6 Jahre)

Megumi Iwasa/ Jörg Mühle: Viele Grüße, Deine Giraffe. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Moritz Verlag 2021. 112 Seiten, 7,50 Euro.

"Wenn ich schwimme, verschwindet alles aus meinem Kopf. Ich tauche ins Wasser ein, und dann sind da nur noch mein Atem, die Kacheln, die vorbeiflitzen, die Bahnen, die durch meinen Kopf klickern, und irgendwann das Brennen in meinen Armen und Beinen." Sein Erfolg als Schwimmer ist für den dreizehnjährigen Jan besonders wichtig, fühlt er sich doch mit seiner Lese-/Rechtschreibschwäche als Versager.

Und nun muss er auch noch umziehen, was eine neue Schule und einen anderen Schwimmverein bedeutet! Zu seiner Verwirrung trägt dann auch noch das Mädchen namens Flo bei, das im Nachbarhaus wohnt, sich wie ein Hippie kleidet und Hühner hält. Und, wie sich herausstellt, in seine neue Klasse geht! Auf keinen Fall darf sie von seinen Problemen erfahren! Auch sie kommt zu Wort, in witzigen Tagebucheinträgen, die sie als Diagramme und Grafiken gestaltet. Ob die beiden einander schließlich finden?

Anne Becker wurde mit diesem ungewöhnlich witzigen Debüt für den Jugendliteraturpreis 2020 nominiert. (ab 11 Jahre)

Anne Becker: Die beste Bahn meines Lebens. Gulliver Taschenbuch 2021. 176 Seiten, 7,95 Euro.

© SZ vom 07.05.2021
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