James-Krüss-Preis:Von Pferden und Marsmädchen

tamara bach

Tamara Bach schreibt auch Theaterstücke und Drehbücher.

(Foto: Carlsen Verlag)

Die Jugendbuchautorin Tamara Bach wird mit dem James-Krüss-Preis ausgezeichnet. Ein Gespräch.

Von Roswitha Budeus-Budde

Ihr erstes Buch "Marsmädchen", das 2004 erschien, brachte Tamara Bach gleich den Deutschen Jugendliteraturpreis ein. Seitdem zählt sie zu den erfolgreichsten deutschen Jugendbuchautorinnen. Am Telefon, in Berlin, noch mit leichtem Impfkater, spricht sie über ihre Arbeit und den James-Krüss-Preis, mit dem sie am Donnerstag ausgezeichnet wird.

SZ: Hat sich Ihr Schreiben verändert, seit Sie erfolgreich sind?

Tamara Bach: Mein Glück war ja, dass ich das zweite Buch "Busfahrt mit Kuhn" schon geschrieben hatte, bevor mein erstes, "Marsmädchen", erschien. Die meisten Autoren haben das Pech, dass sie dann vom ursprünglichen Prozess des Schreibens abkommen. Tatsächlich musste ich mich bei "Busfahrt mit Kuhn" daran erinnern, warum ich schreibe. Diese ganzen Stimmen ausblenden - was das Feuilleton sagte, was der Verlag möchte, was die Lehrer sagen. Ansonsten versuche ich, Texte für mich zu schreiben, nicht für mein Publikum, und das habe ich geschafft.

Sie haben mal gesagt, Musik ist wichtig für Sie beim Arbeiten. Warum?

Musik ist für mein Leben wichtig. Ich gehe nicht mehr raus ohne Musik in den Ohren. Wenn ich die Küche betrete, wird das Radio angemacht. Musik hilft mir, um in eine gewisse Stimmung zu kommen, welche ich auswähle, hängt aber vom Text ab, an dem ich gerade arbeite. Manchmal brauche ich es still, besonders beim Korrigieren.

In der Jugendliteratur wird gerade über Political Correctness und über Gendern diskutiert. Beeinflusst das Ihr Schreiben?

Ja, natürlich. Gendern ist wichtig, Political Correctness ist wichtig. Ich dachte jahrelang, ich wäre nicht politisch. Aber ich war politisch. Das ist mir erst jetzt klar geworden. Mit den Geschichten, die ich erzähle, teile ich meine Welt mit, ich habe Vorstellungen, die ich darstelle. Ich will niemandem etwas vorschreiben. Ich nahm an, dass alle Menschen eine Kopfstimme haben, die denkt und kommentiert. Ich dachte, alle Menschen denken gleich. Und habe erst in den letzten Jahren gelernt, dass das nicht so ist.

Ihr neues Buch "Das Pferd ist ein Hund" unterscheidet sich von Ihren anderen Büchern, weil Sie ausführlicher mit Fantasie erzählen, und mit Witz.

Es schildert eine Ausnahmesituation in einem großen Wohnhaus in Berlin. Die Kinder dürfen wegen des kalten Winters nicht aus dem Haus und in die Schule. So legt sich die kleine Luze einen Traumhund zu, der manchmal, wenn es nötig wird, ein Pferd ist, und ihre große Schwester Clara wünscht sich, dass sie sich wieder mit der besten Freundin versöhnen kann und dass ihr Klassenkamerad Leander, der auch im Haus wohnt, mit ihr spricht. Sie sitzen zwei Wochen rum, Zeit ist das Einzige, was sie haben, darum geht es.

Wann kam Ihnen die Idee zu der Geschichte?

Das fing an mit dem ersten Lockdown, da hatte ich hier eine Woche einen Hund, und den musste ich wieder abgeben, weil er sich in der Stadt nicht wohlfühlte. Eins der Kinder in diesem Haus hat sich beschwert, dass sie ihn nicht gesehen hat, und damit begann es.

Was verbindet Sie mit James Krüss? Nicht nur, dass er Gedichte und Hörspiele schrieb, für Schallplattenfirmen arbeitete und als erster Autor das Medium Fernsehen nutzte?

Er war seiner Zeit voraus. Ich kenne natürlich Timm Thaler und weiß auch, dass Krüss niemals belehren wollte, dass seine Moral an der Wirklichkeit, am Leben ausgerichtet war. Aber leider kann ich nicht dichten, ich würde so gerne, aber in meinen Versen reimen sich immer nur Haus und Maus und Herz auf Schmerz.

© SZ/göt/clu
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