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"Supertramp"-Gründer wird 70:"Oh, thick chaka tooh!"

Vor dem 70. Geburtstag des Rockmusikers Roger Hodgson

Wie klingt das kleine Bisschen Glück? Natürlich wie "Supertramp-Hits! - Band-Gründer Roger Hodgson.

(Foto: dpa)

Der kleinste gemeinsame Nenner im Pop hat viele Namen: "Dreamer" zum Beispiel, oder "Give A Little Bit". Zum 70. des genialen Songwriters Roger Hodgson.

Supertramp waren schon immer die Band, mit der die mentale Fluchtstrategie am besten funktionierte, die in der amerikanischen Psychologie auf die schlichte Empfehlung "Go to your happy place" verdichtet wird, womit der Rückzug in das Glück der eigenen Gedankenwelt gemeint ist. Der eigentliche Fluchthelfer bei der Band war natürlich Roger Hodgson. Der hatte sich als Berufsmusiker eher leidlich durch die britischen Hippiejahre geschlagen, bis er eine Stellenanzeige des Keyboarders Rick Davies im Melody Maker beantwortete.

Das ist ein recht unglamouröser Anfang für eine der größten Karrieren in der Rockmusik der Siebziger, die so viele Exzesse, Egotrips und so viel Bombast lieferte. Bei Supertramp gab es das alles nicht. Es war zunächst nicht einmal abzusehen, dass die Band jemals aus den Untiefen des Progrock aufsteigen würde, jener Welle virtuoser Musiker, die mit überkomplexen Songstrukturen und Konzeptpopkunst wagnerianischen Ausmaßes den engen Strukturen des Blues entkommen wollten.

Nach zwei mittelmäßigen Platten aber hatten Hodgson und Davies 1974 auf dem Album "Crime Of The Century" diesen goldenen Mittelweg gefunden, der heute noch funktioniert.

Die Hits schrieben ja beide. Hodgson ein paar mehr und die deutlich eingängigeren: "Dreamer" etwa, "Give A Little Bit", "The Logical Song" oder "Breakfast In America". Und mit seinen Texten traf er den Nerv der egomanischen Sinnsucher seiner Zeit, die irgendwo zwischen Spiritualität und Psychotherapie ein Stückchen Glück vermuteten.

Er wusste aber auch, dass man hin und wieder mal einen Text singen muss, der da lautete: "Oh, thick chaka tooh, goh, peep / Bah, gah, pah, pom teguedam, tooh, deh, yeah!" (zititert aus "Give A Little Bit"), weil dann irgendwann auch mal Schluss sein muss, mit der Sinnsuche. Weil die veredelten Hippiegitarren und schweren Soujazz-Akkorde auf dem E-Piano, die Supertramps Hits antreiben für sich stehen müssen. Und weil John Helliwell hin und wieder ein Solo auf dem Saxofon spielen muss, weil er einer der wenigen ist, die das hinbekommen in einer Musik, in der Saxofone eigentlich nichts zu suchen haben.

Hip waren Supertramp dabei nie. Sie waren der allerkleinste gemeinsame Nenner, auf den sich immer fast alle einigen konnten. Schwer zu sagen, wann sich ihre Rolle als eine Art Mittelstreifen der "Middle of the Road"-Musik zum Fluchthelfer zu den "Happy Places" wandelte.

Hollywood war daran nicht ganz unschuldig. Der Regisseur Paul Thomas Anderson war der erste, der Supertramp 1999 in seinem Film "Magnolia" so einsetzte. Hodgsons strahlende Stimme und die drängenden Wah-Wah-Gitarren von "Goodbye Stranger" trieben damals den einsamen William H. Macy in einer Bar für wenige Minuten in Richtung Glück. Seither tauchen Supertramp-Songs immer dann auf, wenn Sehnsucht und Hoffnung signalisiert werden sollen.

1983 stieg Hodgson bei Supertramp aus. Er hatte genug vom Rummel und von Kalifornien. Er zog in die Natur. Inzwischen tourt er wieder. Kleine Hallen, kleines Programm. Große Songs. Glückliche Orte. Am 21. März wird er 70 Jahre alt.

© SZ vom 21.03.2020

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