Superheldengeschichte Das Geheimnis des blauen Kirchturms

Drei Kinder werden zu Superhelden und entzünden ein Feuerwerk der Rache.

Von Markus C. Schulte von Drach

Es gibt Bücher, die möchte man einfach in den Arm nehmen, drücken und festhalten. Ein solches Juwel, das spürt man schon auf den ersten Seiten, ist das Buch "Super Bruno" von Håkon Øvreås. Obwohl Cover und Buchrücken nichts dergleichen versprechen. Dort heißt es lediglich, es ginge um die Geschichte eines "ganz normalen Jungen", der nachts zum Superhelden ohne Angst wird.

Doch was auch immer man sich darunter vorstellt - es ist anders. Auch die Suche nach einem Vergleich ist erfolglos - und so landet man zwingend bei dem Ausdruck "unvergleichlich". Mit einfachen, fast beiläufigen Sätzen gelingt es dem Autor, die Leser in die Gefühlswelt seines kleinen Protagonisten zu ziehen. Man verzeiht es Autoren, wenn sie auf ein bisschen Pathos setzen, und ganz sicher gilt das, wenn ein kleiner Junge den Großvater verliert. Aber bei Øvreås findet man keine Spur davon. "Okay", sagt Bruno, als der Vater ihm vom Tod des geliebten Opas erzählt, und setzt sich ins Auto. "Dort blieb er sitzen und pulte einen Aufkleber vom Armaturenbrett ab." Und schon möchte man an seiner statt weinen.

Aber die Sache mit dem Großvater ist nicht das eigentliche Thema. Zur stillen Trauer kommt der Zorn auf den jugendlichen Sohn vom Pastor und seine beiden Freunde. Die zerstören die Hütte, die Bruno und sein Freund Matze gebaut haben. Eine kleine Kaskade von Zufällen sowie braune Farbe lassen Bruno eines Nachts zu "Brauno" werden, den Super-Bruno im braunen Umhang, der sich nachts aus dem Haus schleicht, um sich zu rächen. Zum vollen Erfolg braucht er Hilfe. Wie gut, dass bald ein zweiter Superheld auftaucht: Schwarzke mit der schwarzen Farbe. Und dann gibt es noch Laura, die Schulkameradin, zu der Bruno sich vor seinen fiesen Verfolgern flüchtet. Was für ein schöner Zufall, dass sich nun zu Brauno und Schwarzke noch die Superheldin Blaura gesellt. Wie sie auf die Idee kommen, den Kirchturm blau anzustreichen, lässt sich nur mit kindlicher Logik nachvollziehen, wie manches andere in der Geschichte. Doch das spricht für, und nicht gegen das Buch.

Ob jüngere Kinder sich neben SpiderMan mit einem Superhelden identifizieren wollen, der eher ist wie sie selbst? Ob ältere Kinder, die unter dem Eindruck von Star-Wars-Merchandising und Heidi Klum stehen, den außergewöhnlichen Stil Øvreås' und seines Illustrators Øyvind Torseter zu schätzen wissen? Das Buch bietet Eltern eine wunderbare Gelegenheit, ihren Kindern noch einmal, vielleicht ein letztes Mal, aber dafür mit besonderem Genuss vorzulesen, bevor dem Nachwuchs dieses abendliche Ritual zu uncool wird. (ab 9 Jahre)

Håkon Øvreås: Super Bruno. Mit Illustrationen von Oyvind Torseter. Aus dem Norwegischen von Angelika Kutsch. Hanser Verlag, München 2016. 144 Seiten, 12,90 Euro.

Leseprobe

Einen Auszug aus dem Roman stellt der Verlag hier zur Verfügung.