Stan Lee Wie Hollywood tote Stars digital am Leben hält

Tauchte in jeder Superhelden-Verfilmung auf: Spiderman-Schöpfer und Comic-Legende Stan Lee.

(Foto: dpa)
  • Stan Lee tauchte in jeder jüngeren Verfilmung seiner Comics auf.
  • Auch nach seinem Tod muss sich das nicht ändern.
  • Hollywood-Studios scannen Stars mittlerweile standardmäßig ein, um - falls gewünscht - digitale Kopien auf die Leinwand bringen zu können.
Von Michael Moorstedt

In der vergangenen Woche ist Stan Lee gestorben. Als vor knapp zehn Jahren das Superheldenspektakel zum dominierenden Filmgenre der Gegenwart avancierte, wurde dem Publikum auch der Erfinder eines Großteils der Comicfiguren bekannt. Lee hatte es sich nämlich in keinem der Filme nehmen lassen, selbst einen kurzen Auftritt hinzulegen. Egal, ob "Spider-Man", "X-Men" oder "Avengers" - immer konnte man irgendwo kurz den alten Mann mit dem grauen Schnurrbart und der getönten Sonnenbrille entdecken. Manchmal schien es so zu sein, als wäre er der einzige echte Mensch in einer einzigen riesigen Greenscreen-Kulisse, vollgestopft mit digitalen Avataren und sprühenden Spezialeffekten.

Star-Wars Helden werden standardmäßig eingescannt

Stan Lee ist also tot. Doch vielleicht werden wir ihn auch weiterhin in den einschlägigen Filmen zu sehen bekommen. Denn immer häufiger lassen Filmstudios von ihren Schauspielern digitale Kopien anfertigen, die dann bei Bedarf - also nach dem Ableben des Vorbilds - ihren großen Auftritt haben. Auf die Spitze treibt diese Praxis naturgemäß der Disney-Konzern in Form des von ihm übernommenen "Star Wars"-Franchises. Wie Technology Review berichtet, werden hier künftig sämtliche Darsteller tragender Rollen noch vor Drehbeginn eingescannt. Schon für "Die letzten Jedi", den jüngsten Film der Reihe, hat man ein digitales Abbild der ein Jahr zuvor verstorbenen Carrie Fisher als Prinzessin Leia eingesetzt.

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Für einen siebenstelligen Betrag wird das noch lebende Vorbild von der Frisur bis zur kleinsten Falte vermessen. Ein paar Terabyte an Daten entstehen so, die visuelle DNA eines Menschen. Etwa sechzig Schauspieler habe man so schon konserviert, so der Anbieter Digital Domain. Für den Fall, dass das Original nicht mehr für einen Scan zur Verfügung steht, behilft man sich mit einem Body-Double, über das dann das entsprechende Gesicht geblendet wird. Elvis, Kurt Cobain, die Beatles, Jesus - sie alle könnten wiederauferstehen. Hollywood schlägt dem Tod ein Schnippchen. Es ist die logische Weiterentwicklung einer Entertainment-Kultur, in der Authentizität schon längst keine Rolle mehr spielt, gepaart mit Zeitgeist-Phänomenen wie der Lust an Reboots und zwanghafter Nostalgie.

Virtuelle 2Pacs und Whitney Houstons geben weiter Konzerte

Was bedeutet das in einer Zeit, in der jeder halbwegs begabte Laie mit sogenannten Deep Fakes Köpfe und Körper unterschiedlicher Menschen so glaubhaft aufeinander montieren kann, dass man die Manipulation zumindest auf den ersten Blick kaum noch erkennen kann? War Bewegtbild nicht einmal das Medium des Faktischen? Und was passiert mit dem Recht am eigenen Bild nach dem Tod? Fragen, die in Zeiten technologischer Durchbrüche erst mal beiseite gewischt werden.

Die digitalen Wiedergänger sind deshalb wohl nicht mehr aufzuhalten. Nicht nur auf den Kino-Leinwänden, sondern auch auf den, nun ja, Live-Bühnen dieser Welt. Ende November gibt ein Hologramm von Maria Callas sein Debüt in den europäischen Opernhäusern, 2019 soll dann eine digital wieder auferstandene Amy Whinehouse zu einer weltweiten Tour aufbrechen. Die Konkurrenzfirma Digital Domain hat dagegen einen virtuellen 2Pac im Programm, und auch Frank Zappa und Whitney Houston gehören zum Ensemble der Untoten.