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Nachruf auf Spencer Davis:Der bescheidenste Gitarrist der Rockgeschichte

Rockmusiker Spencer Davis gestorben; Rockmusiker Spencer Davis gestorben

Frühaufsteher und bescheidener Rockmusiker: Spencer Davis ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

(Foto: Paradise Artists/dpa)

Die "Spencer Davis Group" gab dem großen Rock-Kanon einen Schwung an ewigen Songs. Und machte wie nebenbei ein paar der wichtigsten Musiker ihrer Zeit groß.

Von Karl Forster

Er war der vielleicht bescheidenste Gitarrist der Rockgeschichte. The Spencer Davis Group ist aus dem Kanon der Rockmusik nicht mehr wegzudenken, aber der Gitarrist Spencer Davis hat kein Solo hinterlassen, das sich tiefer eingegraben hätte. Aber er gab mit seiner Band dem Kanon Songs, die auch heute noch fast jeder kennt, man denke nur an die dramatisch chromatische Akkordfolge im Refrain von "I'm A Man", an das Staccato-Intro von "Keep On Running" oder die gellenden Septime von "Gimme Some Lovin'".

Spencer Davis, geboren am 17. Juli 1939 im südwalisischen Swansea, war ein gebildeter Mann: Er studierte in Birmingham Sprachen, sprach fließend (wenn auch nicht ganz akzentfrei) Spanisch, Französisch und Deutsch, doch seine wahre Leidenschaft galt der Gitarre und der Anfang der Sechziger die Welt erobernde Blues- und Rockmusik.

Die Namen der Mitmusiker sagen eigentlich alles über sein Leben

Seine erste Band gründete er 1963, wo er im Club "The Golden Eagle" nicht nur Muff Winwood, sondern vor allem dessen erst 15 Jahre alten Bruder Steve entdeckte. Dass die Band dann "Spencer Davis Group" hieß (wie fast alle folgenden), lag daran, dass die anderen Mitglieder, also Steve Winwood, dessen Bruder Muff und Schlagzeuger Pete York, lieber länger schlafen wollten als Interviews zu geben, was Spencer Davis dagegen gerne und formvollendet tat. So zumindest hat es Muff Winwood später erzählt.

Die Namen seiner Mitmusiker von damals sagen eigentlich alles über das Leben von Spencer Davis. Muff Winwood legte zwar den Bass beiseite und wurde Produzent (zum Beispiel für die Dire Straits), aber Pete York und Steve Winwood sollten die Rockmusik prägen, während Spencer Davis sein Leben lang vom Ruhm dieser ersten drei LPs von 1965 bis '67 zehrte. Und von den Tantiemen. 1970 zog er nach Kalifornien, spielte mit Brian Auger oder Chris Farlowe, tourte durch die Clubs der Welt und spielte noch am 1. März 2015 im Münchner Ampere. Am Montag dieser Woche ist er in einem New Yorker Krankenhaus an einer Lungenentzündung gestorben.

© SZ vom 22.10.2020
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