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Sexskandal im Kino:Wutbürger

US-Regisseur Abel Ferrara hat seine eigene Wahrheit darüber verfilmt, was Dominique Strauss-Kahn einen New Yorker Zimmermädchen angetan hat. Jetzt wurde seine Version gekürzt.

Wie es wohl zugegangen sein mag am Set von Abel Ferraras Film "Welcome to New York", in dem der polternde Gérard Depardieu die Hauptrolle spielt? Eine besondere diplomatische Begabung haben beide nicht, bei Depardieu weiß man das, und Ferrara demonstriert das jetzt. Am kommenden Wochenende soll sein "Welcome to New York" in den USA anlaufen, der Film handelt von einem Politiker namens Deveraux, in dem unschwer Dominique Strauss-Kahn zu erkennen ist, der 2011 in den USA wegen versuchter Vergewaltigung verhaftet wurde. Ferrara macht sich darin seinen Reim darauf, was im Hotelzimmer im Sofitel in New York passiert sein könnte. Ein Zimmermädchen hatte Strauss-Kahn angezeigt, er habe es zum Oralsex gezwungen. Was da genau passiert sein könnte, sieht man in Ferraras Originalfassung, die ihre Weltpremiere in Cannes hatte - aber offenbar nicht mehr in der um 17 Minuten gekürzten Version, die jetzt in den USA gezeigt werden soll. Die Kürzungen hat Wild Bunch vornehmen lassen, die französische Produktionsfirma, die das ganze Projekt initiiert hatte. Ferrara aber tobt.

Die gekürzte Fassung ist auch in Europa schon gelaufen, und Wild-Bunch-Chef Vincent Maraval entgegnet Ferrara, wenn ihm die Kürzungen nicht gefielen, hätte er sie eben selbst machen sollen - Ferrara habe sich aber geweigert. Die Vergewaltigungsszene ist jetzt ein Flashback, außerdem sollen politische Äußerungen im Dialog entfallen und eine Orgienszene zusammengeschnitten worden sein. Sinnentstellend, findet Ferrara: "Die Version, die in den USA herauskommt, könnte Zuschauer dazu verleiten zu glauben, das Opfer habe sich alles nur eingebildet", sagt Ferrara. Das respektiere die Frau nicht, die da vergewaltigt worden sei, und dass sein Name diesen Film noch ziere, sei "ein Verbrechen", der "moralische und politische Inhalt" sei nun verzerrt. Rechtliche Schritte behalte er sich vor, wenn der amerikanische Verleih den Film tatsächlich so zeige. Rechtliche Schritte behielt sich, als der Film in Frankreich gezeigt wurde, auch Dominique Strauss-Kahn vor - die Anklage gegen ihn hat der New Yorker Staatsanwalt immerhin fallen lassen.