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Offener Brief schwarzer Theatermacherinnen:"Institutioneller Rassismus"

Szene aus "Afrokultur. Der Raum zwischen gestern und morgen" von Natasha A. Kelly, geplant für den 3. Mai am Düsseldorfer Schauspielhaus und vom 15. bis 17. Mai bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen.

(Foto: Florian Boccia)

Die Vorwürfe gegen das Düsseldorfer Schauspielhaus bringen 22 Theatermacherinnen of Colour auf den Plan. Sie fordern eine unabhängige Bühne.

Von Christine Dössel

Nachdem der Schauspieler Ron Iyamu dem Schauspielhaus Düsseldorf Rassismus und Sexismus vorgeworfen hat (SZ berichtete), zieht der Fall weitere Kreise. In einem offenen Brief an die nordrhein-westfälische Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, den Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller und den Schauspielhaus-Intendanten Wilfried Schulz schreiben 22 Theatermacherinnen und Theatermacher of Color, die gerade an zwei Projekten für das Haus arbeiten: "Als unmittelbar von Rassismus Betroffene scheint es uns paradox, zwei Inszenierungen, die der afrodeutschen Wissenschaftlerin und Poetin May Ayim gewidmet sind und sich inhaltlich und gestalterisch mit diesem Thema beschäftigen, in einer staatlichen Institution auf die Bühne zu bringen, der Rassismus und Sexismus vorgeworfen werden." Man unterstütze Ron Iyamus Forderung, alle Vorwürfe "lückenlos und transparent aufzuklären und aufzuarbeiten". Gefordert wird eine externe Kommission sowie "zur reibungslosen Fortsetzung unserer Arbeit" eine vom Schauspielhaus "unabhängige, selbstorganisierte Freie Bühne als aktive Möglichkeit, uns dem institutionellen Rassismus zu entziehen".

Zu den Erstunterzeichnern gehört die Kommunikationssoziologin Natasha A. Kelly, die den Brief, der gleichzeitig auch eine Petition auf change.org ist, auf Twitter gepostet hat. Bei einer der darin erwähnten Inszenierungen handelt es sich um die Bühnenadaption ihres Buches "Afrokultur. Der Raum zwischen gestern und morgen", eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, die am 3. Mai am Düsseldorfer Schauspielhaus Premiere haben soll beziehungsweise sollte, ebenso wie die flankierende Veranstaltung "M(a)y Sister - unter einem alten Walnussmangobaum" im Foyer. Beide Produktionen nehmen Bezug auf die schwarze Dichterin und Wissenschaftlerin May Ayim, eine Aktivistin der afrodeutschen Bewegung, die im Alter von nur 36 Jahren starb. In dem offenen Brief heißt es: "Sie sprang 1996 aufgrund psychischer und körperlicher Erkrankungen, die u.a. durch ihre Rassismuserfahrungen verursacht worden waren, von einem Hochhaus in Berlin."

Die Unterzeichnenden gehören den Ensembles der beiden Stücke an. Solange die internen Prozesse der Aufarbeitung aller Vorwürfe nicht abgeschlossen sind, sehen sie sich am Düsseldorfer Schauspielhaus "weißen Theatermacher:innen gegenüber strukturell benachteiligt und in der Folge diskriminiert". Sie schreiben: "Statt an einem sicheren Ort, finden wir uns nun an einem Arbeitsplatz wieder, wo wir durch institutionalisiertes Fehlverhalten und die Verschleierung rassistischer Strukturen retraumatisiert werden."

© SZ/zig
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