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Schauplatz Schweden:Mit Dosenbier gegen den Sauftourismus

In Schweden hat der Staat das Monopol auf den Einzelhandel mit Alkohol. Damit nicht mehr so viele Bürger zum Großeinkauf nach Deutschland fahren, wurde nun ein günstigeres Bier angekündigt.

Wer mit dem Auto in die skandinavischen Länder fährt, kennt die vor allem schwedischen Fahrzeuge, deren Besitzer offenbar nur für ein paar Stunden aus dem Norden kommen und lediglich einen Zweck kennen: In eigens eingerichteten Geschäften große Mengen Dosenbier, Softdrinks und Süßigkeiten zu kaufen. Sie kommen mit Lieferwagen, Kombis und Anhängern, und wenn man ihre Fahrzeuge auf der Autobahn zwischen Rødby und Kopenhagen sieht, dann scheinen etliche so schwer beladen zu sein, dass ihre Scheinwerfer in den Himmel zeigen und die Hecks tief über den hinteren Achsen hängen. Mehr als Hundert Liter Bier darf ein Erwachsener in Schweden einführen, neunzig Liter Wein und zehn Liter Hochprozentiges. In der Zeit vor Weihnachten scheinen besonders viele dieser Transporte unterwegs zu sein.

In dieser Situation trifft es sich gut, dass Systembolaget, das staatliche schwedische Monopolunternehmen für den Einzelhandel mit alkoholischen Getränken, in diesen Tagen mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit ging, im kommenden Jahr ein besonders billiges Dosenbier anzubieten, zum Preis von umgerechnet knapp siebzig Cent pro Dose und also um zwanzig Cent weniger, als ein solches Bier gegenwärtig im Geschäft kostet. Gespart werden soll dabei nicht an der Alkoholsteuer (diese liegt fest), sondern am Stoff und dessen Menge, und erklärtermaßen zu dem Zweck, den legalen Schmuggel aus Deutschland weniger attraktiv zu machen. Und so schließt sich, erwartungsgemäß, an den Vorstoß eine der vielen schwedischen Debatten an, wie sinnvoll es ist, den Einzelhandel mit Alkohol in Gestalt eines staatlichen Monopols zu betreiben, mit Geschäften, von denen doch eine soziale Kontrolle ausgeht. Und wie immer verweist Systembolaget darauf, dass die Schweden (soweit man das weiß) nicht nur etwas weniger trinken als die Bewohner der südlichen Nachbarländer, sondern vor allem gelernt haben, den Schnaps und den Vollrausch durch Wein und bessere Trinksitten zu ersetzen.

Eine Konsequenz des Monopolhandels mit Alkohol bleibt bei all diesen Debatten stets unerwähnt: dass nämlich Systembolaget das schlichte Saufen bestraft und den gehobenen Konsum belohnt. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass die Alkoholsteuer immer dieselbe bleibt, die Effekte des Einkaufs in großen Mengen, wie sie ein Monopolist betreibt, vor allem bei etwas teureren Weinen aber deutlich zu Buche schlagen. So kommt es, dass manche Weine jenseits eines Preises von fünfzehn oder zwanzig Euro pro Flasche in Schweden billiger sind, als sie es in Deutschland wären - während für die billigsten Weine das Doppelte oder Dreifache des Preises gefordert wird. Dieses Verhältnis lässt sich auch anders ausdrücken: Systembolaget belohnt den gepflegten Rausch und behindert das einfache Gelage. Das mehr oder minder einfache Volk ist deshalb nach wie vor auf der Autobahn von Rødby in den Norden unterwegs.