Saudi-Arabien und die Scala "Ohrfeige für Mailand"

Blick in den Zuschauerraum in der Mailänder Scala.

(Foto: dpa)
  • Saudi-Arabien soll die Mailänder Scala finanzieren. Der Intendant des Opernhauses und der saudi-arabische Kulturminister haben ein entsprechendes Abkommen ausgehandelt.
  • Allerdings stoßen diese Pläne bei italienischen Oppositionspolitikern auf große Kritik. Sie verweisen auf Saudi-Arabiens Verstöße gegen die Menschenrechte.
  • Am 18. März entscheidet der Aufsichtsrat der Scala über die Kooperation.
Von Carolin Gasteiger

Menschenrechtsgegner bestimmen in der Mailänder Scala? Das befürchten italienische Oppositionspolitiker angesichts der Kooperation, die Alexander Pereira, Intendant des Opernhauses, mit Saudi-Arabien plant. Die Causa hat in Italien eine Debatte über Kultursponsoring und Menschenrechte ausgelöst.

Pereira bestätigte in der Zeitung La Repubblica, dass sein Haus eine Vereinbarung mit dem Kulturministerium in Riad getroffen habe. Sie sehe vor, dass die Scala fünf Jahre lang je drei Millionen Euro erhalte. Zusätzlich sollen jährlich 100 000 Euro an die Musikakademie gehen. Im Gegenzug für die Spende soll der saudische Kulturminister, Prinz Badr bin Abdullah, in den Aufsichtsrat der Scala aufgenommen werden.

Pereira, Österreicher und als eigenwilliger Finanzjongleur unter den Intendanten bekannt, leitet die Scala seit vier Jahren.

"Wenn die Saudis im Aufsichtsrat der Scala sitzen, ist das eine Ohrfeige für Mailand", kommentiert Antonio Panzeri, Europaabgeordneter des Partito Democratico (PD) und Vorsitzender des Unterausschusses für Menschenrechte, die Nachricht. Den Willen, das Haus internationaler aufzustellen, könne er zwar verstehen, aber "wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass eines der wertvollsten Wahrzeichen Mailands mit Menschen zusammenarbeitet, die täglich im eigenen Land gegen Menschen- und Freiheitsrechte verstoßen", so Panzeri. Senator Maurizio Gasparri von der Forza Italia rief die Regierung auf, "die Geschichte und Identität der Scala" zu verteidigen. Und fügte hinzu, der Ausdruck 'Pecunia non olet', also 'Geld stinkt nicht', sei zwar seit dem antiken Rom gebräuchlich, aber kein Prinzip, das man uneingeschränkt teilen könne.

Mailands Bürgermeister Beppe Sala (PD) sieht die Pläne Pereiras weniger kritisch. Er plädiert dafür, die genauen Bedingungen der finanziellen Zuschüsse transparent zu machen. Außerdem dürfe sich die saudische Teilnahme nicht nur auf eine "reine Finanzierung" beschränken, sondern müsse eine Gelegenheit sein, "das Image der Scala auch im Mittleren Osten zu stärken und in Opernhäuser in diesem Teil der Welt zu exportieren", zitiert ihn die Repubblica.

Pereira verteidigte die Millionenpläne. Bei der vergangenen Aufsichtsratssitzung habe niemand etwas dagegen gehabt, dieses Geld zu erhalten. "Es ist eine einmalige Gelegenheit", zitiert ihn die Repubblica. Er habe zwar "mit Grauen" von dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten Khashoggi gehört und sei sich der "despotischen" Natur der saudi-arabischen Führung bewusst, sagte Pereira der Repubblica zufolge. Er sei aber auch überzeugt von der "positiven Kraft der Musik". Im Netz haben ihn die ersten bereits mit Tuch auf dem Kopf zum "Alexander von Arabien" ausgerufen.

Laut Pereira kam der Kontakt nach Riad über Vertraute des lombardischen Regionalpolitikers Attilio Fontana von der fremdenfeindlichen Regierungspartei Lega zustande. Auch Fontana pocht auf die internationale Aktivität der Scala. "Ich wusste ausschließlich über die kulturelle Zusammenarbeit Bescheid und die habe ich auch für gut befunden. Alles andere muss man genau prüfen", sagte er.

Am 18. März tagt der Aufsichtsrat der Scala und wird darüber abstimmen, ob der saudische Politiker ins Gremium kommen darf.