Klassik:Neues vom Hexenmeister

Lesezeit: 3 min

Klassik: Regisseur Barbora Horáková macht aus "Giustino" harmlos buntes Kindertheater, aber es klingt herrlich.

Regisseur Barbora Horáková macht aus "Giustino" harmlos buntes Kindertheater, aber es klingt herrlich.

(Foto: Matthias Baus)

René Jacobs dirigiert an der Berliner Lindenoper Antonio Vivaldis "Giustino". Eine Begegnung.

Von Reinhard J. Brembeck

Der alte Hexenmeister René Jacobs, er wurde gerade 76 Jahre alt, hat jetzt Antonio Vivaldi entdeckt. Den kennt zwar jeder, seine Jahreszeitenkonzerte sind weltberühmt, seine 22 erhaltenen Opern aber tröpfeln nur langsam auf die Opernbühnen. René Jacobs ist ein freundlich lächelnder Herr, der behäbig in den Orchestergraben der Berliner Lindenoper hinabschwebt, um dann mit kleinen und ewiggleichen Gesten, die rechte Hand bewegt sich immer genauso wie die linke, die unterschiedlichsten Klangwunder in Vivaldis "Giustino" zu erwecken. Wo alle Welt Vivaldi als fetzig und ungestüm im Ohr hat, setzt Jacobs auf Melancholie, Zerbrechlichkeit, Eleganz, Morbidezza. Das verblüfft anfangs, verzaubert zunehmend und zuletzt steht das Publikum im Saal und bejubelt René Jacobs und seine acht ihm und Vivaldi wundervoll souverän ergebenen Sängerinnen.

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Mature woman with eyes closed on table in living room; Mental Load Interview Luise Land
Gesundheit
»Mental Load ist unsichtbar, kann aber krank machen«
Medizin
Ist doch nur psychisch
Digitalisierung
KI, unser Untergang?
Altersunterschiede in der Liebesliteratur
Die freieste Liebe
Datenschutz
Staatliche Kontrolle durch die Hintertür
Zur SZ-Startseite