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Reiseführer "Rumgurken":Mal schauen, was da so passiert

Warum macht denn keiner mal Urlaub in Aserbaidschan oder Nordfinnland und berichtet uns von dort? Tex Rubinowitz hat nun einen etwas anderen Reiseführer geschrieben. "Rumgurken" ist auch humoristisch Randgebiet.

In den meisten Bundesländern trudeln die Menschen ja mittlerweile wieder aus den Sommerferien ein. Nur in Bayern beginnt die große Sommerreisezeit originellerweise erst kurz vor dem Oktoberfest. Was aber fangen die Bayern mit diesem Existenzbonus an? Nichts. Sie fahren einfach beinhart alle in genau dieselben vier oder fünf Gegenden, in denen die anderen auch schon waren, obwohl es doch auf Gottes weitem Erdenrund insgesamt 193 Staaten gibt, und da sind Gebilde wie Transnistrien, die Cookinseln oder Abchasien noch gar nicht mitgerechnet, weil es da jeweils irgendwelche kniffligen völkerrechtlichen Querelen gibt.

Ein glücklicher Mensch mit einer großen Portion Neugier im Daseinsportfolio: Tex Rubinowitz in Bhutan. 

(Foto: oh)

Abchasien aber tut hier nichts zur Sache, weil die Leute für ihre Standardreisen ja eh wieder nur Reiseführer über Italien, Spanien, Frankreich kaufen, über Länder also, die zwar völkerrechtlich eins a dastehen, aber mittlerweile wirklich genug bereist wurden. Warum macht denn keiner mal Urlaub in Aserbaidschan oder Nordfinnland und berichtet uns von dort?

Nun macht Tex Rubinowitz keinen Urlaub im Sinne von: Im Büro, da gehe ich vollkommen sinnloser Arbeit nach, und mein Alltag muffelt längst wie ein alter Teppich in einem dieser italienischen Autobahnhotels aus den siebziger Jahren; im Urlaub aber, da bin ich endlich vier Wochen intensiv bei mir, vulgo hau mich in den Liegestuhl und amorphel vor mich hin.

Alles passt so gut zusammen

Tex Rubinowitz ist, soweit wir das aus der Ferne konstatieren dürfen, ohnehin die meiste Zeit über intensiv bei sich, hat also Urlaub im Sinne der betäubenden Lebensunglücksverdrängung überhaupt nicht nötig. Er verbringt diese seine Zeit damit, witzige Karikaturen zu zeichnen, funkelnde Texte zu schreiben und als Sänger der Band Mäuse aufzutreten. Ferner betreut er so liebevoll wie pflichtbewusst die Internetseite "Höfliche Paparazzi" und - um es kurz zu machen - ist anscheinend ein glücklicher Mensch, dem Gott auch noch eine große Portion Reiselust und vorbehaltlose Neugier ins Daseinsportfolio gesteckt hat. Darüber hat er nun ein Buch geschrieben.

Seinen Reisen eignet nichts Strammes, Effizientes, Baedekerhaftes, nie marschiert er auch nur ansatzweise in medias res, eher gurkt Rubinowitz entlang der Länderränder und schaut dann mal, was da jeweils so passiert. In Helsinki treffen wir ihn weder im weltbekannten Jugendstilviertel noch vor einem der noch viel weltbekannteren Alvar-Aalto-Gebäude, sondern an einem Tisch des Ravintola Sea Horse, eines Lokals, das "wie kein zweites all das verkörpert, was Finnland ausmacht. Diese Mischung aus dunstiger Melancholie und Demutskapitulation, alles passt so gut zusammen: die Einrichtung, das Personal, die Sitzkoben, das unterseeische Zwielicht, die sedierten Gäste, das wunderschöne Seepferdchenfresko an der Wand, eine kokonartige Einheit forcierten Bremsens. Keine Frage: der Vorhof zum Paradies".

Mit am Tisch sitzt sein Freund Momus, eigentlich Nicholas Currie, ein schottischer Musiker, der in Osaka lebt und nur noch ein Auge hat, weil ihm beim Reinigen seiner Kontaktlinsen mit griechischem Leitungswasser Parasiten zwischen Auge und Linse schlüpften und . . . Wie? Sie sagen, das hat doch alles nichts mit Finnland zu tun? Tja nun, in dem Fall müssen Sie doch eher baedekern, schnurstracks die Ravintola-Sea-Horse-Bar verlassen und in Richtung Stadtzentrum, Historie, Wikipedia streben.

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