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Reimraum:Groß gedacht

Die britische Rapperin Little Simz kommt ins Ampere

Größenwahn und plakativer Narzissmus sind im Hip-Hop nichts Ungewöhnliches. Eminem bezeichnete sich einst selbst als "Rap God", Jay-Z wurde zum "Hova" ernannt (einer Szene-tauglichen Abkürzung für den hebräischen Gott), und dann gibt es da natürlich noch Kanye West. Eine will sie aber alle toppen: "I'm Jay-Z on a bad day, Shakespeare on my worst days." Das rappt Simbiatu Ajikawo alias Little Simz auf dem Titeltrack ihres jüngsten Albums "Grey Area".

Ist das nun Größenwahn oder einfach Provokation? Zunächst soll es lediglich eine besonders pointierte Zeile gewesen sein, sagt Simz über den Songwriting-Prozess. Bis die 25-Jährige selbst überzeugt war von den Lyrics. Und sie ist nicht die Einzige: Seit Beginn ihrer Karriere wird Simz als große Nummer im Hip-Hop gehandelt, für ihren souveränen Flow und ihre treffenden Texte gefeiert. Auch wenn der kommerzielle Erfolg nie richtig einsetzte - an die Spitze der Charts mit Mainstream-Rappern wie Cardi B schaffte sie es bislang nicht -, erarbeitete sich Little Simz eine illustre Fangemeinde: Rap-Größen wie Lauryn Hill, Mos Def oder Kendrick Lamar zählen dazu und ironischerweise auch der Hip-Hop-Mogul Jay-Z, der ihr Debüt-Mixtape 2013 auf seiner Website veröffentlichte.

Auf die Bestätigung oder gar Hilfe anderer setzt Ajikawo trotzdem nicht. Little Simz ist enorm selbstbewusst, "a boss in a fucking dress", rappt sie in einem Song. Alles, was sie habe, habe sie sich selbst erarbeitet, heißt es in einem anderen. Ihre ersten beiden Studioalben produzierte die Londonerin komplett alleine und veröffentlichte sie auf ihrem eigenen Label Age 101 Music. Beide Platten sollten Geschichten erzählen, waren Konzeptkunst. Mit ihrer dritten LP, die im Frühling dieses Jahres erschienen ist, brachte die Rapperin ihren experimentellen Stil ohne poetische angehauchte Erzählungen auf den Punkt. Dafür holte sie sich Unterstützung, von ihrem Jugendfreund, dem Produzenten Inflo. Gemeinsam vereinten sie die gewohnten Grime-Rhythmen mit Soul und R 'n' B, ließen Breakbeats auf hämmernde Basslines treffen, und Elektro-Elemente auf Streichinstrumente. Die Tracks sind Memoiren geworden, über das Aufwachsen und die Abgründe Londons, gemischt mit Momentaufnahmen, in denen Little Simz energisch und eloquent mit Rassismus, Sexismus und Mansplaining abrechnet. Und in denen sie vielleicht auch ein bisschen größenwahnsinnig ist.

Little Simz, Montag, 14. Oktober, 20 Uhr, Ampere im Muffatwerk, Zellstraße 4