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Rap:Bushido

Anis Ferchichi alias Bushido ist mit einem neuen Album zurück und selbstverständlich werden wieder alle "Bastarde" hart von ihm "gefickt". Kein deutscher Gangsta-Rapper kann es sich erlauben, da die Erwartungen der pubertären Stammhörerschaft auf den Pausenhöfen der Republik zu enttäuschen. Eigentlich aber ist es eine klassische Break-up-Platte. Bushido hat sich von seinem einst besten Kumpel und langjährigen Beschützer Arafat Abou-Chaker getrennt, dem Chef des bei der Berliner Staatsanwaltschaft, Abteilung Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, bestens bekannten "Abou-Chaker-Clans" (Bastarde ficken ist ein Geschäft, bei dem man besser auch ein paar fiese Kerle auf seiner Seite hat). Vor bedeutungsschwer getragenem Pianogeklimper und schleppenden Beats legt sich Bushido also etwa in "Mephisto" bei sich selbst auf die Couch und berichtet, wie es kam, dass er dem Teufel seine Seele verkaufte (der machte komischerweise auf Freund, hat ihn dann aber doch nur benutzt und betrogen, gemeine Sache). Auf die Selbsttherapie folgt nach den ewigen Regeln des Break-up-Albums die große Selbstfeier, die Bushido in seinem typischen Gaga-Aggro-Stakkato absolviert: "Ich bin der Typ, der hier seit 20 Jahren den Laden schmeißt / braungebrannt, AfD, Carmen Geiss / alles Bullshit, RTL, Kabel eins / schwarzes Geld, Ware heiß, Atemnot, Fahrenheit / Geht mal Eure niedlichen Checks einlösen, meine Vita respekteinflößend". Die Botschaft der Platte ist am Ende trotzdem klar: Dieser Mann weiß mittlerweile, was er an seiner Frau, seinen Kindern und den echten Freunden hat. Er ist älter und klüger geworden. Deshalb hat er sich jetzt ja auch, wie er im großen Interview im aktuellen Stern erzählt, mit dem Berliner "Remmo-Clan" zusammengetan. Laut der Berliner Staatsanwaltschaft, Abteilung Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, ist der noch einmal deutlich größer und mächtiger als die Abou-Chakers.