Puppenschneider Hose mit Herzchen

Die Augsburger Puppenkiste - in neuen Kleindern

(Foto: Johannes Simon)

Der Kasperl der Augsburger Puppenkiste ist der vielleicht berühmteste Marionettenmann der Welt. Florian Moch, Puppenspieler, hat ihn neu eingekleidet.

Von Rudolf Neumaier

Der Kasperl der Augsburger Puppenkiste, eines der berühmtesten Exemplare seiner Spezies, wenn nicht gar der berühmteste Kasperl der Welt, ist soeben neu eingekleidet worden. Hier ist er erstmals in Unterhose zu sehen. Dass Herzchen sie schmücken und die Beinteile unten mit Rüschchenbordüren abschließen, hat nicht viel zu sagen. Manche Bühnenkünstler sind eben extravagant, und dieser Marionettenmann treibt seine extravaganten Späße schon seit 67 Jahren auf der Bühne.

Sein Debüt feierte der Original-Kasperl der Augsburger Puppenkiste beziehungsweise Bubbegischd, wie die Augsburger sagen, am 26. Februar 1948. Später bekam er ein Double für Inszenierungen, in denen er in unterschiedlichen Kostümen auftreten muss. Denn wegen der vielen Fäden, mit denen sich der Kasperl in Bewegung bringen lässt, wäre es zu kompliziert und es würde viel zu lange dauern, die Marionette während der Aufführung hinter den Kulissen umzuziehen.

Bis der Kasperl frische Klamotten bekommt, können schon mal zehn bis fünfzehn Jahre vergehen. Frisch heißt aber nicht zugleich neu oder gar modern: Der Kasperl-Look ist der Kasperl-Look und wird immer der Kasperl-Look bleiben. Karierte Hose, spitzer Hut und eine Halskrause, die sich wie die Blüte einer Sonnenblume um den Hals schmiegt - die Dienstuniform ist gleichzeitig die DNA des Puppenkisten-Kasperl. In dieser Sommerpause war es also wieder Zeit für Kleiderwechsel. Die Baumwolle an der Hose nütze sich wegen des Abriebs mit den Fäden schneller ab als die Jacke, sagt Florian Moch, Puppenspieler und Puppenschneider im 17-köpfigen Augsburger Ensemble. Moch hat vor seinem Engagement in der Augsburger Puppenkiste Theaterwissenschaft studiert. Jetzt arbeitet er sich von Figur zu Figur - bis er eines Tages vielleicht den Kasperl spielen darf, die Marionette, die dem Spieler das größte Geschick abverlangt. Der Kasperl hat 14 Fäden, die anderen Figuren nur zehn. Dafür kann der Kasperl seine Füße bewegen - und lässt seine Kollegen ziemlich lahm aussehen. Zur neuen Spielzeit, die traditionsgemäß mit dem "Räuber Hotzenplotz" begonnen hat und dem Kasperl etwa 200 Vorstellungen bescheren wird, frischte Moch auch das Make-up auf und verpasste den Schuhen neuen Lack. Jetzt glänzt er wieder, der Mann mit der Herzchen-Unterhose.