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ProSieben: "Gülcan und Collien ziehen aufs Land":Einfach simpel

Paris Hilton und "Bauer sucht Frau" lassen grüßen: Pro Sieben versucht eine Show mit B-Promis auf dem bayerischen Land. Natürlich wird alles "real und authentisch" sein.

Südöstlich von Rosenheim, wenige Kilometer von der Autobahn nach Salzburg entfernt, findet sich ein malerisches Hochtal. Am Samerberg sieht Bayern aus wie im Bilderbuch: Kleine Orte mit Kirchlein, grüne Wiesen mit Kühen, die ersten Gipfel des Voralpenlandes.

Wie einst Paris und Nicole: Nun fallen Gülcan Kamps und Collien Fernandes über Kühe und Landbevölkerung her.

(Foto: Foto: ProSieben)

Die Landwirte betreiben fast alle Viehwirtschaft, ihre wirtschaftliche Lage ist jedoch alles andere als gut, die meisten leben vor allem vom Tourismus. Als vor wenigen Wochen der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) zum Streik gegen die zu geringen Milchpreise aufrief, waren fast alle der noch 50 Milchbauern am Samerberg dabei.

Dreizehn Koffer

Von solchen existenziellen Themen ist natürlich keine Rede, wenn ein Privatsender in diese Idylle einfällt, um eine neue Unterhaltungsshow zu produzieren. Den gesamten Mai waren die beiden Moderatorinnen des Musiksenders Viva, die blonde Gülcan Kamps, 25, und die dunkelhaarige Collien Fernandes, 26, auf dem Bauernhof von Konrad und Roswitha Estermann zu Gast, immer begleitet von Kamerateams.

Herausgekommen ist die Doku-Soap "Gülcan und Collien ziehen aufs Land", acht Folgen laufen von diesem Dienstag an auf Pro Sieben. Niveauvolle Unterhaltung sieht anders aus, es wird ziemlich viel Kuhmist gezeigt und ansonsten die einschlägigen Vorurteile bedient: eine muffige Bäuerin, naive Stadtkinder, ein gutmütiger Landwirt in Lederhosen und Untertitel, wenn bayerisch gesprochen wird. "Wir erwarten respektable Quoten, die über dem Senderdurchschnitt liegen", sagt Pro-Sieben-Unterhaltungschef Jobst Benthues. Zielgruppe seien die 14- bis 29-jährigen Zuschauer.

Nun sind Gülcan und Collien allenfalls B-Promis. Im vergangenen Jahr lief "Gülcans Traumhochzeit" mit Unternehmenserben Sebastian Kamps nur mit mäßigem Erfolg. Besser lief bei Pro Sieben die Reality-Show "Die Alm", bei der 2004 sich B-Promis auf einer Almhütte in Südtirol durchschlagen mussten. Offenbar will nun der Münchner Sender von Sehnsucht mancher Zuschauer nach Landleben profitieren.

RTL erzielt mit "Bauer sucht Frau" regelmäßig Quotenerfolge. Vorbild ist diesmal die amerikanische Produktion "Simple Life" des Senders Fox, bei der vor fünf Jahren die Hotelerbin Paris Hilton und ihre Freundin Nicole Richie, Tochter des Sängers Lionel Richie, das einfache Leben kennenlernen sollten und aufs Land verfrachtet wurden. Nach Anlaufschwierigkeiten brachte die Serie gute Quoten, auch in Deutschland bei Pro Sieben.

"Alles ist real und authentisch"

Mit dreizehn Koffern und Taschen, aber ohne Geld und Handy flogen Gülcan und Collien per Hubschrauber in Oberbayern ein. Auf dem Bauernhof sollten die beiden, die die verwöhnten Mädchen aus Düsseldorf und Berlin geben, dann die harte Arbeit im Stall erledigen. Collien ("Ist das Gras hoch hier") war nach eigener Aussage zuvor noch nie auf dem Bauernhof, und auch Gülcan ("Ich bin vor allem eine Tussy") stellt sich ziemlich ungeschickt an.

Das Format soll einen dokumentarischen Charakter haben. "Es soll keine Comedy-Show sein, das spielt sich dann eher in den Köpfen der Zuschauer ab. Gülcan und Collien haben den Hang zur Selbstironie", sagt Benthues. Keiner soll vorgeführt werden. "Alles ist real und authentisch. Das sind geerdete Menschen", behauptet Benthues. Der Hof der Estermanns, bei dem noch drei Generationen unter dem Dach wohnen, wurde nach einem längeren Casting ausgewählt.

Den meisten Menschen am Samerberg waren Gülcan und Collien übrigens vorher gar kein Begriff. Und die langen Filmaufnahmen haben viele ziemlich genervt. Auf dem Dorffest durften die beiden zwar Bier ausschenken. Vom Treffen der örtlichen freiwilligen Feuerwehr wurden Gülcan und Collien aber kurzerhand wieder ausgeladen.

Gülcan und Collien ziehen aufs Land, Pro Sieben, dienstags, 20.15 Uhr.