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Pop:Tiefflug

Echo 2016 - Preisträger

Sängerin Helene Fischer räumte beim diesjährigen "Echo" ab.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Die Echo-Musikpreise wurden verliehen. Für die Musik von den "Puhdys" bis zu Helene Fischer müsste man sich schämen. Aber auch die Show der Preisverleihung mit Barbara Schöneberger war grauenvoller denn je.

Seit mittlerweile 25 Jahren lädt der Bundesverband der deutschen Musikindustrie zur öffentlichen Betriebsfeier, nennt es Echo, lässt die ARD stundenlang übertragen und verleiht dann den Bands und Sängern Preise, die sich im vergangenen Jahr am besten verkauft haben. Das Problem ist nur, dass die Popmusik, die hierzulande viele Menschen gut finden, leider - und in Zeiten, in denen es auch mal zu rein deutschsprachigen Alben-Top-Ten kommt, vielleicht sogar mehr denn je - reiner Schund ist. Und zwar auch und sogar, wenn man sehr niedrige Maßstäbe ansetzt. Man kann das nicht anders sagen.

Oder kann jemand, der nur ein bisschen mehr von Musik versteht als etwa die Moderatorin des Abends, Barbara Schöneberger, ernsthaft Preisträger und/oder Auftretende wie Pur, die Puhdys, die Prinzen, Christina Stürmer, Lena, Helene Fischer, Alex Christensen, Freiwild, Enya, die Scorpions, Mark Forster, Roland Kaiser, Andreas Bourani, Joris, Sarah Connor und so weiter als herausragenden zeitgenössischen Pop verstehen? Als Pop, für den man sich nicht eigentlich in Grund und Boden schämen müsste?

Es war also eine grauenvolle deutsche Schlagerparade am Donnerstagabend. In den besten Momenten war es sterbenslangweilig, in den schlimmsten - also meistens - stümperhaft und lieblos. Und dann bekam auch noch die Tiroler Heimatschutz-Band Freiwild einen Preis.

Den Gedächtnis-Song für David Bowie ruinierten zielsicher ein paar A-Capella-Clowns

Es war so unerträglich, dass einem ein säuselnder Soul-Wirrkopf wie Xavier Naidoo auf einmal wie der Pop-Messias erschien, der er so gerne wäre, weshalb man ihn sonst nicht erträgt. Auch Udo Lindenbergs Karllagerfeldhaftigkeit war eher erfreulich. Oder war's Karl Lagerfelds Udolindenberghaftigkeit? Man ist ja bei deutschen Popstars schon ziemlich froh, wenn sie während ihres Auftritts halbwegs lässig mit ihrer Sonnenbrille jonglieren können. Und der Rapper Kollegah hatte recht, als er sich beschwerte, dass der deutsche Rap mit ihm erst zum Schluss ausgezeichnet werde, obwohl es doch das am schnellsten wachsende Genre im Lande sei. Vor allem ist es allerdings eines der ganz wenigen deutschen Mainstreampopgenres, dem in Zukunft noch eine Entwicklung zum Guten zuzutrauen ist. Das waren die Lichtblicke.

Und von der Show selbst, die in diesem Jahr einen eigentlich nicht mehr für möglich gehaltenen Tiefpunkt erreichte, war noch gar nicht Rede. Also: Die raren internationalen Stars wie der Brite James Bay oder der Amerikaner The Weeknd dürften sich wie im falschen Film vorgekommen sein. Es konnte ja kaum einer der Ausgezeichneten eine vernünftige Dankesrede halten. Oder wenigstens professionell gerührt irgendwas Reizendes stammeln. Oder mit der Preisstatue, die aussieht wie eine Badewanneneinstiegshilfe, halbwegs würdevoll die Bühne wieder in die richtige Richtung verlassen.

Und Barbara Schöneberger gab dazu etwas, das man vielleicht "wandelnde Kumpeldiva" nennen könnte, eine Figur, die in ihrer lockeren Krampfigkeit wirklich nur in einem Land erfunden werden kann, in dem Staatsanwälte auf Jan Böhmermann losgehen, wenn er einen Witz über einen Witz gemacht hat. Kein einziger Schöneberger-Gag zündete. Ach ja, und den David-Bowie-Gedächtnis-Song "Space Oddity" ruinierten zielsicher ein paar A-cappella-Clowns. Und war schon von der sagenhaft amateurhaften Bildregie die Rede? Lassen wir es. Man möchte so etwas bitte nie, nie, nie wieder sehen und hören müssen. Bitte.