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Pop:Ohne Waffen, wie Gandhi

Letzter "Favorit" -  Puerto Rico,  Ricky Martin
(Foto: Instagram)

Von Maximilian Senff

Ricky Martin hat den puertoricanischen Gouverneur Ricardo Rosselló gestürzt. Na ja nicht ganz allein, aber er war auf jeden Fall die Gallionsfigur der Bewegung gegen den Regierungschef des größten US-Außengebiets. Auf der Karibikinsel war es kürzlich zum Eklat gekommen: Ein privater Chat zwischen Rosselló und elf Vertrauten war an die Öffentlichkeit gelangt. In den darin enthaltenen Nachrichten äußerten sie sich nicht nur frauen- und schwulenfeindlich, sondern auch respektlos gegenüber den Opfern des Hurrikans Maria von 2017. Pop-Superstar Martin war selbst unter den Prominenten, die in den Chats homophob beleidigt wurden. Auf der Straße und in den sozialen Medien befeuerte er die sich ohnehin formierenden Proteste, die auch die Korruptionsvorwürfe gegen Rosselló vorantrieben. Auf einem LKW stehend schwenkte Martin bei Massenprotesten eine Regenbogenfahne. Es war eine von vielen in einem bunten Meer aus puertoricanischen Flaggen und LGBT-Fahnen. Nach Protesten vor dem Regierungssitz in San Juan hat der Gouverneur Mitte dieser Woche seinen Rücktritt angekündigt. Nur noch bis zum 2. August wird er im Amt sein. Puerto Ricos queere Szene feiert den Abgang frenetisch. Weiterhin mit in vorderster Front natürlich Ricky Martin. Bei Instagram schrieb er: "Puerto Rico, wir haben es geschafft. Und zwar friedlich. Ohne Waffen, wie Gandhi. Wir

haben Respekt gefordert und wurden erhört. Respekt für unsere Kinder und Frauen, für die LGBT-Community und unsere Vorfahren. Das wird nie wieder passieren." Bevor Martin 2010 bekannt gab, homosexuell zu sein, hatte er seine sexuelle Orientierung stets geheim gehalten. Seine Berater hatten mantraartig behauptet, er werde viele seiner weiblichen Fans verlieren. Was dann gar nicht stimmte. Nun hat er in den sozialen Medien aufgrund seines politischen Engagements viele neue Fans bekommen. Martin rief dazu auf, auch in Zukunft wachsam zu bleiben, wenn es um die Verletzung von Menschenrechten und korrupte Politik gehe. Seine Latino-Hymnen dürften auf den puertoricanischen Straßen zur Zeit an jeder Ecke zu hören sein.

© SZ vom 27.07.2019

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