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Pop:Der Nette mit der dunklen Stimme

Der Ire Andrew Hozier-Byrne überzeugte in München mit düsteren Balladen und heiteren Popsongs, darunter "Take Me To Church".

(Foto: Stephan Rumpf)

Hit-Songwriter Hozier gibt sich im Circus Krone dankbar und bescheiden

Wenn Hozier sich am Ende eines Konzertes bei den Mitwirkenden bedankt, kann das schon mal etwas länger dauern. Das liegt nicht nur daran, dass er eine siebenköpfige Band hat. Jeder bekommt hier seine fünf Sekunden Ruhm: vom Toningenieur über die Produktionsassistentin bis hin zu "Bill am Merch-Stand". Er ist halt einfach ein netter Kerl, der Hozier. Und bescheiden sowieso: Macht er einen Scherz, streicht er sich verlegen die braunen Locken hinters Ohr. Über den Applaus zeigt er sich aufrichtig dankbar, ohne dabei in einen Höhenflug-ähnlichen Rausch zu verfallen.

Trotz des Ruhmes, den der Ire seit seinem Radiohit "Take Me To Church" 2014 erhalten hat, ist er bodenständig geblieben. Ihm selbst scheint es gar nicht so wichtig zu sein, weitere, ähnlich hitverdächtige Nummern zu schreiben. Mit seinem zweiten, heuer erschienenen Langspieler "Wasteland, Baby!" knüpft er dennoch an sein Debüt an. Andrew Hozier-Byrne, so sein vollständiger Name, macht ein weiteres Mal ehrlichen Folk-Rock mit starkem Einfluss von Blues, Gospel und Soul. Die Texte des 29-Jährigen sind Gesellschaftskritik mit und ohne Augenzwinkern, und verstecken ernste Themen in raffinierten und humorvollen Metaphern: "Jackie and Wilson" ist eine Hommage an den bekannten Soulsänger der Sechziger, und "No Plan" war inspiriert von Weltuntergangs-Szenarien, über die er im Buch der Astrophysikerin Katie Mack gelesen hat. "Ärgert euch also nicht über die kleinen Dinge. Es wird noch viel schlimmer werden", witzelt er, bevor er den neuen Song spielt, der unmittelbar in ein ausgelassenes Cover von Stevie Wonders "Living For The City" übergeht.

Das Konzert ist eine Mischung aus melancholischen Gospelnummern, düsteren Balladen und heiteren Popsongs. Fast alle durch mehrstimmigen Gesang und diverse Soli aufgepeppt, bei denen vor allem die Violinistin das Publikum begeistert. Höhepunkt bleibt aber Hoziers dunkle bluesige Stimme, die live noch besser zur Geltung kommt als auf der Platte. Da stört auch kein Einsatzfehler bei "Nina Cried Power", dem Song, mit dem er Protestmusikern wie Nina Simone oder James Brown huldigt. Generell huldigt Hozier an diesem Abend im Circus Krone vielen: Bürgerrechtsaktivisten, Musiklegenden, einer Astrophysikerin. Und Bill vom Merch-Stand.