Alben der WocheDas Dilemma des linksgemütlichen Bürgertums

AnnenMayKantereit resignieren vor den großen Problemen der Zeit. Und XXXTentacion zeigt posthum, wie er die Gitarrenmusik hätte retten können.

Myrkur - "Juniper" (Relapse Records)

Black Metal ist in der Popkritik ja eine notorisch vernachlässigte Musik. Deshalb nun hier: Amalie Bruun, die zwar mit einem zeitlos romantischen Vornamen gesegnet ist, ihr Black-Metal-Projekt aber Myrkur nennt, veröffentlicht ihre EP "Juniper" (Relapse Records). "Lana del Rey meets Darkthrone", nennt sie das Internet und kann sich nicht einigen, welche Art von Metal sie nun genau macht. Man ist ja versucht, sich über den Metal-Kindergarten lustig zu machen, in dem fanatisch darüber gestritten wird, wer innerhalb eines obskuren Subgenres jetzt glaubwürdig ist und wer nicht. Andererseits ist es auch berührend und trostreich, dass es noch Menschen gibt, die leidenschaftlich darüber streiten, mit welchem Klangprofil die Welt zu einem dunkleren Ort zu machen ist. Myrkur steht jedenfalls ungerührt erzblond auf der Bühne vor einem knorrigen Mikrofonbaum und schenkt uns Sirenengesänge, ein Seelenjaulen aus den Tiefen des Styx. Das Ganze ist sehr artifiziell, aber gradlinig und humorlos genug, um nicht unter Mittelaltermarktverdacht zu geraten. Wer sich in eine Sagenwelt wünscht, in der nordische Schönheiten noch gefährlich und unzugänglich sind, ist bei Myrkur gut aufgehoben. Bei Liveauftritten gibt es muskulöse, dreckbeschmierte Recken gleich noch mit dazu, Double-Bass-Speeddrums, klar, und manchmal sogar einen rauen Schrei der sonst so wohlklingenden Amalie. Von Juliane Liebert

7. Dezember 2018, 05:052018-12-07 05:05:31 © SZ.de/doer