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Polens Rechte:Kein einfacher Kowalski

Für polnische Konservative ist Roman Polanski eine Hassfigur. Nun will ihn der Justizminister an Amerika ausliefern.

Ein jüdischer Kosmopolit und Frauenheld, der in seinen Filmen Sex und selbst den Teufel nicht ausließ - es dürfte kaum eine andere Figur geben, die bei vielen Katholiken und Konservativen in Polen so unbeliebt, ja verhasst ist wie der Filmregisseur Roman Polanski. Zum Beispiel in der einflussreichen katholischen Kirche, deren konservativste Kreise selbst Harry Potter wegen Satanismus verbieten wollten. Polanski ist also eine ideale Zielscheibe für Polens neuen Justizminister und Generalstaatsanwalt Zbigniew Ziobro. Dieser will nun ein schon beendetes Auslieferungsverfahren gegen den Regisseur aufrollen. Es geht um Sex mit einer Minderjährigen, einen Fall aus dem Jahr 1977 - für Polen brandaktuell.

Nur für das liberale, kulturinteressierte Polen ist Polanski ein Held. Die Konservativen hat er hingegen über Jahrzehnte nicht nur mit seinen Filmen schockiert, sondern auch mit zahlreichen Affären und mit jenem Skandal von 1977. Damals hatte Polanski Sex mit der 13 Jahre alten Samantha Geimer. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen, Geimer hat vor Jahren Polanskis Entschuldigung angenommen und - vergeblich - dafür plädiert, dass die US-Justiz den Fall zu den Akten legt.

Nachdem erst die Schweiz eine Auslieferung Polanskis an die Vereinigten Staaten ablehnte, unternahm die zuständige Justiz von Los Angeles in Polen einen neuen Versuch. Im Januar 2015 forderten die USA von Polen die Auslieferung Polanskis; Ende Oktober 2015, nach monatelangem Prozess, lehnte ein Richter in Krakau diese wegen zahlreicher Ungereimtheiten beim Vorgehen der US-Justiz ab.

Damit hätte das Thema erledigt sein können, hätte nicht die rechtspopulistische Partei Recht und Gerechtigkeit die Wahl in Polen gewonnen. Mariusz Błaszczak, eines der Schwergewichte der Partei und heute Innenminister, sympathisierte schon damals mit der Auslieferung des bei der Pis-Wählerschaft verhassten Künstlers. Nur war die Generalstaatsanwaltschaft damals noch unabhängig.

Seit dem Frühjahr aber ist der Justizminister selbst auch der Generalstaatsanwalt und heißt Zbigniew Ziobro. Und jener Ziobro kündigte am Dienstag an, er werde vor dem Obersten Gericht Berufung gegen die Verweigerung einer Auslieferung Polanskis einlegen.

Ist dies ein neuer Kampf gegen die "degenerierte Elite"?

Wäre Polanski ein "gewöhnlicher Kowalski, wäre er schon längst in die USA deportiert worden", sagte Ziobro giftig. Der eigentliche Grund für sein Vorgehen ist aber wohl doch ein anderer. Polanski ist 82 Jahre alt und pendelt zwischen Frankreich, der Schweiz und Polen, für Ziobro aber ist er das Symbol eines verhassten kulturellen Milieus. "Wir haben es mit einen Mann zu tun, der von einer gewissen Kumpelclique verteidigt wird und von einem gewissen Teil der liberalen Medien", giftete der Minister.

Liberale Medien und liberale Kultur sind nämlich so gar nicht nach dem Geschmack der Pis und ihrer Wählerschaft - ob im Theater von Breslau, wo der Kulturminister gegen eine Elfriede-Jelinek-Adaptierung wetterte, oder im Fall Polanskis. Eben jene liberalen Medien zahlten es den Konservativen denn auch mit gleicher Münze heim: "Ziobro verbeugt sich vor den rechten Wählern", urteilte die liberale Gazeta Wyborcza. Schlimmer noch: Wie schon in ihrer ersten Regierungszeit 2005 bis 2007, so die Befürchtung des Blattes, könnten Ziobro und die Pis der ihrer Darstellung nach "degenerierten Elite wieder den Krieg erklären".