Plattenkabinett Pink Martini - Get Happy

Paul McCartney sang vor 45 Jahren: "Take a sad song and make it better." Er sang nicht: "Take a sad song and make it somehow different and boring."

Pink Martini war es offensichtlich einerlei, wie genau Pauls Zeile nun lautete. Im Prinzip haben sie ja auch recht - McCartney riet Jude ja auch nicht wirklich dazu, traurige Lieder nachzubearbeiten. Genau das hat die zwölfköpfige Band aus Portland mit "Get Happy" aber gemacht: 16 gecoverte Stücke sind auf dem Album, und das so wunderschöne Sprachen wie Japanisch und Türkisch vereint. Es gibt nicht viele Platten, auf denen sich japanische und türkische Lieder zu französischen und deutschen gesellen. Ja, Pink Martini ist hier einzigartig, ihre Sängerinnen Storm Large und China Forbes stimmlich überragende Frontfrauen. Aber Pink Martini schafft es nur ganz selten auf diesem Album, Pauls Anweisung zu folgen und das mitunter sehr interessante Liedgut aus aller Herren Länder besser zu machen oder ihm wenigstens neuen Glanz zu verleihen.

Der deutsche Versuch heißt "Ich dich liebe" und man hört es nicht gern. Das türkische Lied "Uskudar" ist Pink Martinis Version von "Üsküdar'a Gider Iken", einem alten Volkslied. Es klingt so, wie in Deutschland verkauftes chinesisches Essen schmeckt, wenn man gerade aus China heimgekehrt ist: irgendwie verwestlicht und dadurch verhunzt.

Aber eine Unverschämtheit ist "Get Happy" trotzdem noch lange nicht. Das hat mindestens zwei Gründe. Der erste heißt Rufus Wainwright. Seine Interpretation von "Kitty come home", das seine Tante Anna McGarrigle für seine Mutter Kate schrieb, als sie sich von Loudon Wainwright trennte, ist zärtlich schön. Der zweite ist: Die Platte eignet sich großartig dafür, Großartiges zu entdecken, als Startpunkt zu dienen für Ausflüge in die Weltmusik. Ein Beispiel ist Maria Tanase: eine in Rumänien verehrte Sängerin, die man ohne Pink Martinis Version von "Pana cand nu te iubeam" wohl nicht so schnell entdeckt hätte. Welche Version besser ist, soll der geneigte Leser hier selbst entscheiden.

  • Wer das Album hört, geht auch in den Secondhandladen für Designerklamotten.
  • Wo man das Album am besten hört: auf einer Interrail-Zugreise im Erste-Klasse-Abteil von Frankreich nach Spanien.
  • Wenn das Album der Soundtrack zu einem Film wäre, dann wäre der Film ein gut gemachtes Remake, das ans Original aber nicht heranreicht.

Melden Sie sich bitte bei Spotify an, falls Sie die Playlist nicht abspielen können.