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Philosophie:Ernste Frage

Kann man der britischen Denkerin Onora O'Neill vertrauen? Die Philosophie-Professorin und Kant-Forscherin erhielt den renommierten norwegischen Holberg-Preis für ihre Arbeit über Vertrauen.

Es ist das ewige Schicksal der Philosophie, dass die Welt einfach immer weiter Unsinn denkt, obwohl sie es längst besser wissen könnte - wenn sie auf die Philosophie hörte. Tut die Welt natürlich leider nicht. Preise allerdings verleiht sie Philosophen gern. Gerade eben zum Beispiel erhielt die britische Philosophin, Philosophie-Professorin und Kant-Forscherin Onora O'Neill den renommierten und mit knapp 500 000 Euro dotierten norwegischen Holberg Preis.

O'Neill ist ausdrücklich auch für ihre, der praktischen Philosophie zuzurechnenden, Überlegungen zu Vertrauen und Rechenschaftspflicht im Alltag ausgezeichnet worden. Und zwar in derselben Woche, in der hierzulande der "Global Trust Report 2017" der Gesellschaft für Konsumforschung vorgestellt wurde. Von O'Neill findet sich nun im Netz ein Video eines feinen kleinen Vortrags aus dem Jahr 2013 mit dem Titel "What we don't understand about trust", den man gesehen haben sollte, bevor man die GfK-Studie studiert.

Zum gängigen Verständnis von Vertrauen gehöre ja, so O'Neill, eine Behauptung, eine Ziel und eine Aufgabe. Die Behauptung sei, dass das allgemeine Vertrauen im Niedergang sei. Das Ziel sei, dass die Menschen wieder mehr vertrauen. Und die Aufgabe, dass wir dafür sorgen, dass das Vertrauen wieder hergestellt wird. All das sei jedoch ein großes Missverständnis.

Die Meinungsumfragen, die vermeintlich einen Rückgang des Vertrauens belegten, banalisierten den menschlichen Umgang mit Vertrauen. Der sei im Alltag viel differenzierter. Und was das Ziel betreffe, müsse sie zudem sagen, dass mehr zu vertrauen, doch im Grunde schon gar kein kluges Ziel sei. Sie würde dagegen eher empfehlen, mehr Vertrauen in die Vertrauenswürdigen zu haben und den Vertrauensunwürdigen gar nicht zu vertrauen. Vertrauen sei nur ein Ergebnis, womit wir uns beschäftigen müssten, sei die - ungleich schwierigere - Einschätzung von Vertrauenswürdigkeit. Dies wiederum wirke sich auf die Aufgabe aus, die sich stelle: Es komme nicht auf den Wiederaufbau von Vertrauen an, denn Vertrauen sei etwas, das gewährt werde. Entscheidend sei vielmehr, wie man anderen Menschen nützliche Hinweise auf die eigene Vertrauenswürdigkeit geben könne.