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Persepolis: Iran und das persische Erbe:Touristenparcour und Achämeniden-Kitsch

Während der Ära des liberalen Präsidenten Khatami (1979 - 2004) begann der Tourismus wieder Fahrt aufzunehmen. Die Reisenden bewunderten die Schönheit der vor-islamischen Paläste, beziehungsweise das, was nach dem von Alexanders Leuten 331 v.Chr. gelegten Brand übrig geblieben war, genauso wie die Herrlichkeit der Moscheen von Isfahan. Die Nomenklatura schien ihren Frieden mit den alten Ruinen gemacht zu haben, ein ausgeklügelter Touristenparcours wurde angelegt und ein Sonnendach zum Schutz der Reliefs aufgebaut. In Teheran werden immer mehr Restaurants mit den Löwen-, Stier- und Wächter-Figuren aus Persepolis dekoriert, Achämeniden-Kitsch hat Konjunktur, aber auch Plakate mit dem "Testament des Darius" als erste Formulierung der Menschenrechte sind im Verkauf. Und nun, plötzlich, sieht es so aus, als würde das Thema Persepolis erneut politisiert.

Persepolis - Magnetnadel zum Neuausrichten

Ginge es nach Maschaei, würden Nationalgefühl und Patriotismus den Ausweg bieten aus dem stumpf und glanzlos gewordenen politischen Islam. Der Chefideologe versucht sogar, der Religion eine nationale Note zu geben: "Der Islam der Iraner ist anders und erleuchtet und wird die Zukunft formen", mit dem Satz wird er zitiert. Die Begründung dafür: Als der Islam Mitte des siebten Jahrhunderts durch das arabische Heer nach Iran gebracht wurde, traf er auf eine hochkultivierte und gebildete Zivilisation. Deshalb unterscheidet sich auch das Amalgam von Gesellschaft und Religion diesseits und jenseits des Golfs, der von den Iranern persisch, von den Arabern arabisch genannt wird.

Der Machtkampf zwischen den Hütern des universell gültigen Islam und den Propagandisten eines partikularistischen Nationalismus entlädt sich im selben konservativen Lager. Doch es sieht so aus, als wollten Ahmadinedschad und seine Getreuen die Geistlichen aus der Politik verdrängen. Diese wehren sich, indem sie vor allem Maschaei angreifen. "Eine sehr gefährliche Person, die einen neuen Kult installieren will" schreibt eine Hardliner-Zeitung und ruft dazu auf, den "Abweichler" zu verhaften. Männer aus der nächsten Umgebung des Präsidenten befinden sich bereits im Gefängnis. Persepolis, das große Erbe, wirkt da wie eine Magnetnadel, an der sich die unterschiedlichen gegnerischen Positionen immer neu ausrichten.

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