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NS-Raubkunst:Die Weiber gehen voran

Gerrit Claesz. Bleker, Weiber von Weinsberg, 1624; Weibertreu-Museum Weinsberg; © P+ Fotografie, Agentur für Bildgestaltung / Foto: Pierre Gattinger

Die "Weiber von Weinsberg", 1624 gemalt von Gerrit Claesz Bleker, zeigt Rettung aus auswegloser Lage.

(Foto: Pierre Gattinger/P+ Fotografie/Agentur für Bildgestaltung)

Beispielhaft: Ein Museum in Baden-Württemberg gibt ein Gemälde aus dem früheren Besitz des jüdischen Kunsthändlers Max Stern an dessen Erben zurück. In Düsseldorf tut man sich mit Bildern aus derselben Sammlung ungleich schwerer.

Das Weibertreu-Museum in Weinsberg hat ein Kunstwerk des Malers Gerrit Claesz Bleker an die Max and Iris Stern Foundation restituiert - und damit ein Beispiel gegeben, wie man mit dem Erbe des Düsseldorfer Kunsthändlers umgehen sollte. Max Stern war in den Dreißigerjahren von den Nationalsozialisten in die Emigration nach Kanada getrieben worden.

Das 1624 gemalte Bild "Die Weiber von Weinsberg", das 1937 noch zum Bestand der Galerie gehört hatte, wurde für das baden-württembergische Weibertreu-Museum nach der Restitution mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder zurück erworben, wie bei einer Pressekonferenz in München am Montag mitgeteilt wurde. Das Werk ist schon deswegen für das Museum bedeutend, weil das Haus 1985 einzig deswegen gegründet wurde, um an die lokale Legende zu erinnern, der zufolge die Weinsbergerinnen ihre Ehemänner nach einer militärischen Niederlage vor dem Tod retteten.

In Düsseldorf ist nach der Absage der Schau über den Kunsthändler der Dialog abgebrochen

Von einem glücklichen Ausgang des Skandals um das Erbe des Kunsthändlers ist man dagegen in Düsseldorf noch weit entfernt, wie am Rande der Pressekonferenz zu erfahren war. Auch dort beanspruchen Erben des Kunsthändlers Max Stern zwei Gemälde, die heute zur Sammlung des Museums Kunstpalast gehören. Zudem hätte dort im vergangenen Winter im Stadtmuseum eine Ausstellung zum Leben von Max Stern stattfinden sollen, eine Kooperation mit Partnern in Kanada und Israel. Doch die Schau war kurzfristig und sehr schmallippig vom Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel abgesagt worden. Es hieß, die Vorbereitungen seien nicht ausgewogen gewesen. Obwohl auch Folge-Stationen in Montreal und Israel geplant waren und dafür erhebliche Mittel in den Partnerstädten gesammelt worden waren, fiel das Projekt aus.

Nach internationalen Protesten - sogar der Vorsitzende des jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, hatte im Interview mit der SZ die unerwartete Absage scharf kritisiert - will man in Düsseldorf nun im Alleingang ein Symposium zu Max Stern veranstalten, das aber nicht eben umsichtig geplant ist.

Zum einen, weil die Experten der Stiftung nicht teilnehmen werden, wie Willi Korte, Provenienzforscher vom Max Stern Restitution Project, jetzt noch einmal bekräftigt: "Die kanadischen Kuratoren waren in Düsseldorf ja zunächst gleichberechtigte Partner gewesen, jetzt gibt es seit Monaten keinen Dialog mehr, warum sollten sie sich als Zulieferer überhaupt noch einspannen lassen?" Und sogar die jüdische Gemeinde in Düsseldorf distanziert sich von dem Projekt. "Ohne die kanadischen Experten wird das ein Schuss nach hinten", sagt Oded Horowitz, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf und des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Nordrhein.

Ohnehin ist der Termin so ungeschickt gewählt, dass internationale Forscher nicht nach Düsseldorf reisen können: Die werden nämlich Ende November bei einer Tagung sein, mit der das 20. Jubiläum der Washingtoner Erklärung in Berlin gefeiert wird.