Nora von Waldstätten im Gespräch Eine Baroness zum Promillieren

Zur Revolutionärin taugt sie nicht, Adel verpflichtet eben doch: Schauspielerin Nora von Waldstätten verrät, was ihre Wurzeln ihr bedeuten - und was sie von zu Guttenberg hält.

Interview: Antje Wewer

Nora Marie Theres von Waldstätten, geboren 1981 in Österreich, wuchs als drittes von vier Kindern in Baden bei Wien auf. Die Schauspielerin entstammt einem alten österreichischen Adelsgeschlecht. Sie studierte Schauspiel in Berlin, spielte in kleinen Kinofilmen wie "Falscher Bekenner", "Schwerkraft" oder "Tangerine". Bekannt wurde sie allerdings erst durch die Rolle einer mordenden Eliteschülerin in der Tatort-Folge "Herz aus Eis". In dem international besetzten Terroristen-Drama "Carlos - Der Schakal"(Start: 4. November) von Olivier Assayas spielt von Waldstätten die Deutsche Magdalena Kopp, die mit Carlos mehr als zehn Jahre liiert war, mit ihm eine Tochter hat und heute, nach ihrer Haftentlassung, in Neu-Ulm lebt.

Nora von Waldstättens Markenzeichen sind ihre grünen Katzenaugen. Als mordenede Eliteschülerin im Tatort "Herz aus Eis" wurde sie bekannt. Ein herzloses Biest ist sie privat nicht, priviligiert schon: Sie entstammt dem österreichischen Adel.

(Foto: dpa)

Lesen Sie hier Auzüge aus einem Interview mit der SZ am Wochenende.

SZ: Frau von Waldstätten, seit Sie in der Tatort-Folge Herz aus Eis eine mordende Eliteschülerin wahnsinnig überzeugend spielten, kriegt sich das Feuilleton nicht mehr ein über Ihr Talent. Und Männer haben Angst vor Ihnen.

Nora von Waldstätten: Ja, auf einmal war ich da, als wäre ich aus dem Nichts aufgetaucht. Obwohl ich vorher schon existierte. Aber man braucht als Schauspielerin eine Rolle, die einen definiert. Und was die Männer angeht, es sind eher die Mütter meiner Freundinnen, die sich Sorgen machen. Da glauben tatsächlich einige, dass ich auch im echten Leben so ein herzloses Biest bin.

SZ: Mit Ihrer neuen Rolle in der internationalen Biopic Carlos, der Schakal haben Sie vermutlich den Status "Nachwuchstalent" verloren, oder?

von Waldstätten: Nicht weiter schlimm, mit 28 Jahren kann ich das verkraften. Und: Besser man entwickelt sich weiter, bevor man abgestempelt wird.

SZ: In Carlos spielen Sie Magdalena Kopp, die Ehefrau und Komplizin von Carlos, der als einer der gefährlichsten Terroristen Europas gilt und bis heute in Frankreich in Haft sitzt.

von Waldstätten: Genau. Sie: Die Frau aus spießigen Neu-Ulmer Verhältnissen. Er: der Superstar der Unterwelt. Sie war ihm hörig, seinem südamerikanischen Charme total verfallen. Rebellierte dann auch immer mal wieder gegen ihn, kam aber über viele Jahre nicht von ihm los. Sie lebt noch, allerdings nicht im Gefängnis, sondern in Neu-Ulm. Sie ist inzwischen Anfang 60, kümmert sie sich um Migrantenkinder und pflegt keinen Kontakt mehr zu Carlos. Getroffen habe ich sie nie.

SZ: Haben Ihre Eltern Ihre Sexszenen in dem Film schon kommentiert?

von Waldstätten: Die haben den Film noch nicht gesehen. Es wäre wahrscheinlich ratsam, sie vorzuwarnen. Peinlich wären mir Nacktszenen aber nur, wenn sie keinen Sinn ergäbe. Zum Beispiel: Sie liegt im Bett, geht zum Kühlschrank und holt sich ein Glas Milch. Oben ohne und im String-Tanga. Da wäre ich die erste, die sagt: Nein Danke, das spiele ich nicht!

SZ: Als der Terror in Europa seine Hochphase hatte, waren Sie noch gar nicht geboren. Was lernt man denn in Österreich so über den Deutschen Herbst?

von Waldstätten: Nicht viel, denn in Österreich hat der Deutsche Herbst kaum stattgefunden. Bis auf den Zwischenfall 1975 in Wien, als Carlos und seine Komplizen sämtliche Minister der Erdölstaaten als Geisel nahmen. Mein Vater hat mir schon als Kind davon erzählt, als wir am Opec-Hauptquartier vorbeigefahren sind. Aber Bildungslücken sind da, um sie zu schließen.

SZ: Hat der Film Sie politischer gemacht?

von Waldstätten: Sensibilisierter und informierter sicherlich, aber nein, politischer bin ich dadurch nicht geworden. Zwischendurch habe ich mich schon gefragt: Und, wofür setzt du dich eigentlich ein? Wofür lohnt es sich, zu kämpfen? Nur für sich oder doch das große Ganze? Leider werden solche Gedanken bei mir schnell durch die nächste Banalität des Alltags beiseite geschoben. Vermutlich habe ich nicht das Zeug zur Revolutionärin.

SZ: Sie haben auf jeden Fall nicht die Biografie einer Revolutionärin; Sie sind eine österreichische Baronesse.

von Waldstätten: Richtig.

SZ: Noch bis vor ein paar Jahren stand man als Adeliger unter dem Verdacht, schnöselig oder weltabgewandt zu sein. Dann kam Minister zu Guttenberg, und nun Sie. Der Adel hat scheinbar gerade einen guten Lauf.

von Waldstätten: Nun ja, ich beobachte das sehr interessiert.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Nora von Waldstätten Verständnis hat für junge Menschen, die sich gerne im Adelsschick kleiden.