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Nicht alle haben so viel Glück wie Asterix:Comic-Götter und ihre Schöpfungen

Comicfiguren sind unsterblich - aber nicht ihre Zeichner. Entweder nehmen die Schöpfer ihre Erfindungen mit ins Grab oder sie müssen die bunten Helden quasi einem Nachfolger vererben. So gibt es von "Tim und Struppi" keine Fortsetzungen, von "Superman" dagegen unzählige. Wie die Comic-Zeichner das Schicksal ihrer Figuren bestimmen - Treue, Streit und viel Geld inklusive.

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SUPERMAN

Quelle: AP

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Albert Uderzo, 84, Zeichner der legendären "Asterix"-Reihe, hat einen Nachfolger bestimmt, den jungen Zeichner Jean-Yves Ferri. Comic-Gott Uderzo weiß: Nichts trifft eine Comicfigur mehr als der Verlust der ihr eigenen Handschrift, der Missbrauch ihres Charakters oder ihre ungezügelte Vermarktung - dem will er mit der "Erbregelung" vorbauen.. Wie andere Comic-Götter ihre Nachfolge regeln, erfahren Sie in dieser Bildergalerie.

Für 130 Dollar verkauften Supermans Schöpfer Jerry Siegel und Joe Shuster einst die Rechte an der Figur, die später für die Identität der USA unbezahlbar werden sollte. In den 30er Jahren erfunden, kämpfte Superman erst gegen die Nazis - "Superman ist ein Jude!" soll Goebbels gesagt haben -, dann im Kalten Krieg gegen die Sowjets - "Auch der Mann aus Stahl ist nicht in der Lage, den Eisernen Vorhang zu durchbrechen" soll Chruschtschow gesagt haben. Später gab sich der fliegende Asylbewerber vom zerstörten Planeten Krypton weniger politisch, blieb aber der am häufigsten im Fernsehen dargestellte Superheld - und damit ein Superverdiener. Siegels und Schusters Familien stritten mit den Verlagen schließlich jahrzehntelang um das viele Geld. Von diesen Tumulten unbeeindruckt: The Man of Steel himself. Der erscheint bis heute, bei DC Comics.

Text: Martin Wittmann

Lucky Luke und Jolly Jumper

Quelle: AP

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Wenn der spargeldünne Westmann Lucky Luke noch immer auf Jolly Jumper in den Sonnenuntergang reitet, dann ist das seinem Erfinder, dem belgischen Comiczeichner Maurice de Bévère zu verdanken. Morris, so sein Künstlername, hatte den einsamen Cowboy 1946 geschaffen und später per Testament bestimmt: Lucky Luke darf nicht sterben. Nach Morris' Tod im Jahr 2001 wurde der Zeichner Achdé auserkoren, dem Mann, der schneller als sein Schatten zieht, Gestalt zu verleihen. Die Texter wechseln seit Morris (bis 1955) und René Goscinny (bis 1977) ohnehin immer wieder. Lucky Luke schert das kaum. Er trällert unverdrossen sein Lied vom "lonesome cowboy" - und auch die dreisten Daltons und die Intelligenzbestie Rantanplan sind nach wie vor quicklebendig. Einen besseren Nachlassverwalter als Achdé, 50, hätte Morris nicht finden können.

Text: Stefan Ulrich

Micky Maus

Quelle: DPA

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Schöpfer hat die Kultmaus aus Entenhausen mit Walt Disney nur einen, Zeichner hingegen viele: Mit-Erfinder Ub Iwerks verpasste Micky Maus im Jahre 1927 zwar sein Aussehen, aber bereits kurze Zeit später übernahm Floyd Gottfredson die Feder, für mehr als 45 Jahre. Mit ihm prägten über die Jahrzehnte Hunderte Künstler, vor allem aber der Amerikaner Paul Murry und der Italiener Romano Scarpa, den Stil der Maus. Heute werden viele der Geschichten in Italien und Skandinavien produziert - verschiedene Verlage besitzen "Disney-Lizenzen". Den eigentlichen Reibach macht Disney allerdings weniger mit den Comics - hier ist der tollpatschige Donald Duck viel zugänglicher und beliebter - denn mit dem Merchandising der Maus-Marke: als Plüschtier, auf T-Shirts oder live zum Anfassen, in einem der vielen Freizeitparks.

Text: Eva Geilersdorfer

Tim und Struppi

Quelle: KNA

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Bevor der Belgier Hergé (1907-1983) starb, legte er fest, dass nach ihm niemand die "Tim und Struppi"-Serie weiterführen darf. Vielleicht fürchtete der konservative Zeichner Aktionen wie die von Albert Uderzo, der gerne auf "Tintin" anspielte: In "Asterix als Legionär" etwa, wo der belgische Legionär Mannekenpix eindeutig die Haartolle des Reporters Tim trägt. Darüber konnte Hergé, von dessen Comic-Reihe zwischen 1929 und 1976 mehr als 20 Alben erschienen und dessen Kunst selbst Andy Warhol inspirierte, doch nicht begeistert gewesen sein! Aber dann geht es eben doch weiter, mit seinen Helden. Bald kommt ein kreischlauter Tim und Struppi-3D-Käse ins Kino, der neue Verkaufsschlager von Steven Spielberg. Wäre Hergé noch unter den Lebenden, er würde durchs Kino hüpfen wie Mais, wenn er zu Popcorn wird.

Text: Martin Zips

" Barbapapa "

Quelle: OBS

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Diese Großfamilie kennt jeder, ihre Erfinder, die einstige französische Architekturstudentin Annette Tison und ihr Lebensgefährte, der amerikanische Biologielehrer Talus Taylor, kennt fast niemand. Seit mehr als vier Jahrzehnten entführen Tison und Taylor Kinder in eine Welt, in der sich bunte Knetgummiwesen in alles Mögliche verwandeln. Es gibt mehr als ein Dutzend Bücher, 100 Filme und unzählige Fanartikel mit den Barbapapas, deren Name an das französische Wort für Zuckerwatte erinnern soll. Beliebt wie Zuckerwatte sind die Wesen, denen Naturschutz und Ökologie sehr am Herzen liegen - auch die Serienmelodie klebt einem ein Leben lang im Ohr. Oft, so erzählen Taylor und Tison, seien sie von Fastfood-Restaurants, Pharmafirmen und Autofabrikanten gefragt worden, ob man mit den Barbapapas nicht werben dürfe. Man durfte nicht.

Text: Martin Zipps

© SZ vom 28.09.2011/caja/gr

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