Neues Robbie-Williams-Album "Take the Crown" Irgendwie keck aber trotzdem mit Grübchen

Dann kommt natürlich "Candy", die erste Single, geschrieben zusammen mit Gary Barlow von der Ex-Boyband Take That. Und bei solchen Referenzen soll man nicht schreiben dürfen, Robbie wäre wieder da? Das Ergebnis der Kollaboration von zwei ehemaligen und jetzt wieder manchmal Bandkollegen ist tatsächlich ein unzweifelhafter Hit, es wird uns noch jahrelang verfolgen.

Das Stück erinnert dabei durchaus an die guten Momente der letzten Alben, also an einen irgendwie kecken, modernen Robbie Williams, unschmalzig, aber trotzdem mit Grübchen. Und eben diesmal ohne jede Brechung, es geht runter wie ein Leichtbier auf dem Showboat, süffig, frisch und kein bisschen psychotisch.

Es folgt ein abwechslungsreiches popmusikalisches Fotoalbum, Williams mal im Smoking, mal in Badehose aber immer so überragend gut gelaunt und selbstsicher, dass er sich auch über "the shit that's on the radio" lustig machen kann, zu dem er mit diesem Werk zweifellos wieder eine Menge beitragen wird.

Musikalisch ist es die bewährte Melange für Superstars mit Aufrichtigkeitshintergrund, die nur noch EU-weit (in den USA hat Robbie nie funktioniert) einsetzbar sein müssen: Ein wenig skandinavische Beatbastelei für den hippen Anstrich, ein paar glückliche Händchen bei der Auswahl der Zuarbeiter, zum Beispiel mit Owen Pallett, der als Stehgeiger für Arcade Fire bekannt wurde. Dazu viel von jenem Stadionbritpop, bei dem Gitarren, Chorus und ein bisschen Blur nicht fehlen dürfen.

Niemand wird mit diesem achten Album Robbie Williams für sich entdecken, für alle die ansatzweise Fans waren, ist es aber das lang ersehnte Galadinner, bitter nötig nach den Jahren mit schmaler Kost. Er hat auch die Hymnen wieder, die seine Landsleute so dringend brauchen.

Das Glück tropft aus seinen Gesangsparts

Das Wichtigste aber, was aus diesem kurzweiligen, aber doch noch zwei Lieder zu langem, Album zu lesen ist: Robbie Williams ist endlich wieder das mittelenglische Großmaul, dem man einfach nicht böse sein kann, das hyperaktive Kind, das auf der St. Margaret Highschool in Stoke die Lehrer genervt und abends im "Red Lion"-Pub seiner Mutter die Gäste unterhalten hat.

Aus diesem dunklen Eck und dem trostlos zerwirtschafteten Porzellanstädtchen weg, wurde er schon als 16-Jähriger für Take That gecastet und seitdem war das Leben eine aufreibende Fieberkurve, die bis vor kurzer Zeit noch recht ausgeglichen schwindelnde Höhen und fürchterliche Abstürze aufwies. Es schient aber, dass jetzt die Glückssträhne des Robbie Williams anhält, Vater ist er ja auch geworden und das Glück tropft folglich auch schön glatt produziert aus seinen Gesangparts.

Er gibt wieder den großen Arena-Entertainer, der ihm eigentlich schon zu "Escapology"-Zeiten zuwider war. Mal sehen, wie lange es diesmal anhält, diese Platte ist weder Abschied noch Vermächtnis, sondern eine Rückkehr ins Hochleistungskorps der Popindustrie.

Besonders bemerkenswert ist zum Ende hin "Losers", das Duett mit der amerikanischen Folk-Sängerin Lissie, das Größe und Schlichtheit vereint und gerade das ist, was man doch vermisst hat bei diesem allzu familientauglichen Breitpop-Werk. Also, Robbie Williams ist wieder da. So wie wir ihn von früher kennen, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Und es fühlt sich verflixt noch mal an, als wäre er nie richtig weg gewesen.