Neues Nena-Album "Old School" Niemand ist so eine gute Nena wie Nena

"Die Alte macht auf hip, dabei hat sie schon drei Enkel": Nena geht in ihrem neuen Album "Old School" das offensichtliche Thema Berufsjugendlichkeit einfach selbst an. Gut so.

Von Max Fellmann

Warum tun wir uns das an?

"Die Leute nehmen das nicht ernst, und es geht ihnen auf die Senkel / die Alte macht auf hip, dabei hat sie schon drei Enkel". Im besten Song ihres neuen Albums geht die Frau das Thema einfach selbst an. Nena: Vor 30 Jahren überirdisch erfolgreich, Neue-Deutsche-Welle-Übermutter, 25 Millionen Platten verkauft - und seitdem so dauerpräsent als ewiges Girlie, dass viele geneigt sind, abzuwinken. Puh, die schon wieder.

In einem Monat wird Gabriele Susanne Kerner 55 Jahre alt, warum führt die sich denn immer noch so auf? Gegenfrage: Warum denn bitte nicht? Der Witz ist doch: Niemand ist so eine gute Nena wie Nena.

Was gibt es auf dem neuen Album zu hören?

Bisschen zu viel Computer leider. Dabei hat sich Nenas Stimme immer gut mit Gitarren vertragen. Aber halb so wild, das Nena-Schema funktioniert sogar in dem Sound, den ihr Produzent Samy Deluxe (ja, der Rapper) zusammengeschraubt hat.

Im Eröffnungssong "Old School" besingt sie sich selbst als Frau "aus einer anderen Zeit", dazu erklingen Beats, die sehr von heute sein wollen, nervöses Elektro-Gezirpe, Rückwärts-Geschnurpsel. Sie rappt sogar und wirkt wie ein Best-Of ihrer Epigonen - ein Drittel TicTacToe, ein Drittel 2raumwohnung, ein Drittel Judith Holofernes. Danach geht es versöhnlich weiter, mit beschwingten Sommersongs ("Sonnemond") und besinnlichem Singsang ("Ein Wort"). Der rote Faden ist Nenas Alter, oft geht es um das Vergehen der Zeit, um das Erschrecken darüber, wie lang die 80er Jahre schon her sind.

Bester Moment

"Bitte sei doch ma nich / so berufsjugendlich": Das Lied "Berufsjugendlich" ist von vorn und hinten und aus allen Richtungen gleichzeitig so smart, dass man beim Hören fast lachen muss. Der Text nimmt jeder Kritik den Wind aus den Segeln, dazu brettern fröhliche Synthie-Achtel, bei denen man kurz an "Reklamation" von Wir sind Helden denken muss, bis einem einfällt, ach was, das hat Nena doch selbst erfunden: "Nur geträumt", 1983. Hut ab.

Schlimmster Moment

Wenn man auch nach mehrmaligem Durchhören nicht den einen richtig großen Hit findet. Das melancholische Erinnerungsstück "Lieder von früher" ist hübsch, "Ja das wars" (auch eine Rückschau) macht viel Spaß. Aber man würde Nena schon noch mal den einen richtig gigantischen Sommerhit gönnen, so ein Lied, das an den warmen Tagen wie ein Blumenregen über die Eiscafés und Freibäder kommt.

Unbedingt kaufen sollten Sie das Album, wenn ...

... Sie bei der Gelegenheit auch noch das 1983 erschienene Debüt ihrer Band, "Nena", kaufen. Und dann einfach beide Alben immer abwechselnd laufen lassen.

"Old School" erscheint am 27.2.