Neues Museum: "Das Maximum" Kein Wort zur Kunst

Andy Warhol und Georg Baselitz mitten im Off: Auf der Landkarte der Kunst hatte Traunreut bislang nichts verloren. Doch genau dort, auf halber Strecke zwischen München und Salzburg, eröffnet am Sonntag eines der kompromisslosesten Museen der Gegenwart.

Von Laura Weissmüller

Auf der Landkarte der Kunst hatte Traunreut bislang nichts verloren. Die Kleinstadt war nicht einmal in den Tourismusbroschüren der Region zu finden, welche zu den schönsten Bayerns gehört, mit malerisch hingetupften Orten, prächtigen Kirchen und hügeligen Wiesen, deren Grün scheinbar niemals endet.

Kunst statt Fabrik: Walter de Marias "Equal Area Series", 1976-7/1982, in den früheren Produktionshallen, die nun zum "Maximum" wurden.

(Foto: Franz Kimmel)

Mitten in dieser Idylle, auf halber Strecke zwischen München und Salzburg, liegt jedoch Traunreut mit dem Charme einer Sechziger Jahre-Plattenbausiedlung. Denn die Stadt ist jung: Vor dem Zweiten Weltkrieg existierte sie offiziell noch gar nicht - dafür aber eine große Heeresmunitionsanstalt, versteckt im Wald. Erst 1950 wurde sie zur Gemeinde, 1960 dann zur Stadt. Im Nachkriegsdeutschland entdeckte die Industrie Traunreut früh für ihre heute boomenden Unternehmen. Bosch-Siemens unterhält hier eine Firma, die auf die Entwicklung von Herden spezialisiert ist, Heidenhain, ein weltweit operierendes Unternehmen der Hightech-Industrie hat hier seinen Standort, und der Konzern Siteco, der ebenfalls zur Siemens-Familie gehört, stellt hier Beleuchtungstechnik her.

Gleich um die Ecke vom Chiemsee spielt Oberbayern also Ruhrgebiet: Traunreut hat auf den ersten Blick kein erkennbares Stadtzentrum, dafür mehrere Industrieparks und dröhnende Lastwagen als Dauerhintergrundgeräusch. Wer Traunreut ansteuert, der fährt zur Arbeit.

Doch mitten zwischen den metallen glänzenden Fabrikhallen gibt es ab diesen Sonntag etwas, das Kunstinteressierte vermutlich bald die Koordinaten von Traunreut in ihren Routenplaner eingeben lässt. Auf dem Schild, das nur auf ein weiteres Firmengelände hinzuweisen scheint, steht DASMAXIMUM. In Großbuchstaben. Natürlich. Für Heiner Friedrich konnte es nie groß genug sein.

Friedrich war schließlich der Mann, der in den sechziger Jahren zusammen mit seinem Freund Franz Dahlem eine Galerie gegründet hat und dort die bayerische Landeshauptstadt mit Kunst verschreckte, die man bis dahin nur in New York gesehen hatte - wenn überhaupt: Donald Judd, Andy Warhol und Cy Twombly zeigten dort ihre Arbeiten. Auch Sigmar Polke und Joseph Beuys wurden in der Maximilianstraße 15 zum ersten Mal ausgestellt und die "ganze Seuche der Earth Art", wie das der Journalist Wolfgang Christlieb 1969 in der Münchner Abendzeitung so nett formulierte.

Gerade die sogar: Friedrich, Sohn eines Industriellen und ohne große Nähe zur Kunst im oberbayerischen Kirchberg aufgewachsen, fand Gefallen an der so rigorosen wie absoluten Herangehensweise der Minimalisten und Land-Art-Künstler. Während München sich gerade noch daran gewöhnte, abstrakt zu sehen, forderten die ein Verständnis von Kunst, das weit über alles hinausging, was bislang die Schwelle der Ausstellungshäuser passieren durfte.

So füllte der Kalifornier Walter de Maria die Galerieräume Friedrichs 1968 mit Erde. "Münchner Erdraum" hieß die Installation schlicht, und so spektakulär die Ausstellung aus heutiger Sicht war, kaum jemand hat sie gesehen. In die Annalen der Kunstgeschichte ging die Installation trotzdem ein.

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