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Neue Medien:Magisches Auge

Verfremdet und doch vertraut: Verleger Lothar Schirmer mit dem Auge der Klee-App betrachtet.

(Foto: Susanne Hermanski)

Die Klee-App der Pinakothek im Härtetest der Kunst-Crowd

Joseph Beuys hätte die Sache gefallen, war doch sein Motto "jeder Mensch ist ein Künstler". Und diese neue Handy-App, von der Pinakothek der Moderne eigens zur großen Klee-Ausstellung aufgelegt (#ConstructKlee), funktioniert bestens. Auch wenn Lothar Schirmer, wichtigster Beuys-Sammler weit und breit, zu dem Ergebnis dieses beliebtesten Gesellschaftsspiels bei sämtlichen Vernissagen der derzeitigen Klee-Festspiele trocken zu Protokoll gibt: "Sieht aus, als hätt' ich die Blattern." Hat er nicht, keine Sorge. Und so sagt er, der Herr der Beuys-Blätter, die derzeit im Lenbachhaus gezeigt werden: "Ich bin sehr zufrieden, dass Beuys und Klee noch vier Wochen parallel in München zu sehen sind".

Wissen muss man dazu zweierlei, wenn man kein Kunsthistoriker ist. Erstens: Kennern gelten Klee und Beuys als Brüder im kreativen Geiste. Zweitens: So eine große Ausstellung wie die aktuelle "Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses" wird nicht nur an einem Abend eröffnet, sondern in Etappen. Da feiern an einem Abend die PIN-Freunde des Hauses ihren Herkulinischen Unterstützerakt, am nächsten die Sponsoren, am dritten, bei der offiziellen Vernissage dann die übrige Münchner Gesellschaft und bayerische Politprominenz.

Mitten drin sind diesmal besonders viele internationale Gäste, Leihgeber von Klee-Werken, die in alle Herren Länder verstreut sind. Allen voran ist da Paul Klees einziger Enkel Alexander, der aus Bern anreist. Er wird am 12. April wiederkommen, um in einem Gespräch gemeinsam mit Mayen Beckmann beider persönlichen Blick auf das Schaffen ihrer Großväter Max Beckmann und Paul Klee zu schildern. Doch Oliver Kase, Kurator der Ausstellung in der Pinakothek der Moderne zuständiger Referent für die Klassische Moderne, musste noch in deutlich weitere Fernen schweifen, um die Schau zusammenzustellen. Von Houston, Texas, über Paris ins Centre Pompidou bis nach Tokio. In Japan, so wird erzählt, habe man über seine Kontakte noch auf entlegensten Inseln Privatsammler überzeugt, sich ihre Klee-Schätze auf Zeit vom Herzen zu reißen.

Auf diese Weise hängen nun in der Ausstellung auch Werke, "die seit mehr als 80 Jahren nicht mehr in Europa zu sehen gewesen sind". Darauf verweist der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Bernhard Maaz freilich stolz. Und Matthias Schellenberg, der Vorstandsvorsitzende des Hauptsponsors dieser Ausstellung, die Münchner Privatbank Merck Finck, betont seinerseits, wie wichtig das alles sei: Tradition zu verfolgen und sich dabei auf der Höhe der Zeit zu präsentieren - in punkto Globalisierung und Digitalisierung. Wobei wir zurück bei #ConstructKlee wären. Lothar Schirmer wendet sich unterdessen doch lieber wieder der Kunst an der Wand zu.

Was er sieht, stimmt ihn froh. Nicht nur wegen Klee, sondern weil dessen kleinformatige Arbeiten von der Bühnenbildnerin Juliette Israël dort derart geschickt präsentiert sind. "Denn eigentlich fehlen in dem Haus ja die Räume für die Kammermusik", sagt er. "Hier ist sonst alles Blasmusik." Tusch.

© SZ vom 02.03.2018
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