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Naturwissenschaft und Literatur:Mit Verve zum Vulkan

"Suchers Welt" über Alexander von Humboldt

"Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, die die Welt nie angeschaut haben", soll Alexander von Humboldt einmal gesagt haben. Ihm selbst kann man diesen Vorwurf wirklich nicht machen: Wohl niemand zu seinen Lebzeiten hat sich die Welt so gründlich angeschaut wie er.

Selbstzweck waren seine Expeditionen nie. Unter widrigsten Bedingungen bestieg er zum Beispiel auf seiner Amerika-Reise 1799 bis 1804 einen Vulkan nach dem anderen, jede Menge Sextanten, Quadranten, Barometer im Gepäck: Dem rastlosen Forscher ging es tatsächlich um nichts Geringeres als die Vermessung der Welt.

Und all die Funde, all die Erkenntnisse mussten natürlich sorgfältig dokumentiert werden. Mehr als 1000 Texte Humboldts wurden zu Lebzeiten weltweit veröffentlicht. Er war damit "der internationalste Publizist seiner Zeit", wie man im schönen Band "Der Andere Kosmos" (dtv) nachlesen kann, den Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich zum 250. Geburtstag herausgegeben haben.

Und dieser Band ist ja nur eine Art Appetizer: Der Dtv-Verlag hat sich an die Mammutaufgabe gewagt, erstmals sämtliche Schriften Humboldts herauszugeben, zehn Bände, 6848 Seiten, ein herrlicher Wahnsinn. Die spannendsten Stellen hat nun C. Bernd Sucher für eine Matinee herausgesucht. Schauspieler Thomas Loibl wird dabei hoffentlich auch Szenen der Besteigung des Chimborazo lesen: Dabei litten Humboldt und seine Begleiter, 6000 Meter hoch ohne Handschuhe, nur mit schlichten Stiefeln, schwer unter der Höhenkrankheit. Was Humboldt nicht daran hinderte, "mit viel Vorsicht eine Luftprobe" zu nehmen.

Suchers Welt zu Alexander von Humboldt , So., 15. September, 11 Uhr, Prinzregententheater, Gartensaal