bedeckt München 17°
vgwortpixel

Nachruf:Produzent George Avakian ist tot

Brachte selbst Genies wie Miles Davis zur Räson: George Avakian.

(Foto: AP)

George Avakian hat die Langspielplatte und das Konzeptalbum initiiert - und unzählige Platten produziert.

George Avakian war ein Mann, dessen Name nur kannte, wer auch das ganz klein Gedruckte auf Schallplattencover las. Für die Musikgeschichte hat er allerdings sehr viel getan. Oder wie es das Musikbranchenblatt Downbeat anlässlich eines Lebensleistungspreises 2000 formulierte: "Die Innovationen, die Avakian in der Plattenindustrie anstieß, waren so grundsätzlich und sind inzwischen so selbstverständlich, dass die meisten Menschen unter 70 sich kaum vorstellen können, dass es mal eine Zeit gab, in der es die nicht gab."

Dazu gehörten unter anderem die Langspielplatte, das Konzeptalbum, die Liner Notes und die historische Wiederveröffentlichung. Außerdem gehörte er 1958 zu den Gründern der Recording Academy, die alljährlich die Grammies vergibt, machte aus Columbia Records ein Weltlabel und etablierte für das Filmstudio Warner Brothers die gleichnamige Plattenfirma.

Seine wahre Leidenschaft gehörte aber dem Plattenproduzieren. Und weil er die ruhige Autorität des stillen Lenkers besaß, konnte er selbst hochkomplizierte Genies wie Miles Davis, Sonny Rollins oder Duke Ellington zu neuen Höchstleistungen antreiben. Die Liste der Meilensteinplatten, die er möglich machte, ist endlos. Nur mal drei: Erroll Garners "Concert by the Sea", Miles Davis' "Miles Ahead" und Benny Goodmans "Live at Carnegie Hall". Außerdem lancierte er die Karrieren von Keith Jarrett, Charles Lloyd und den Everly Brothers, von Lotte Lenya, Edith Piaf und Ravi Shankar.

Als Kind armenischer Eltern aus Russland eingewandert begann er seine Laufbahn in den Dreißigerjahren damit, als Student an der Yale University einen Sampler mit Chicago Jazz zu produzieren, der als erstes Jazzalbum überhaupt gilt.

Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Regisseur Aram Avakian und dem Modefotografen Bert Stern produzierte er außerdem eines der wunderbarsten Dokumente des Modern Jazz, den Film "Jazz an einem Sommerabend". Man könnte jetzt noch seine Verdienste für die klassische Musik und den Pop aufzählen. Sicher ist nur - wer Musik hört, ist schon seiner Arbeit begegnet.

Am vergangenen Mittwoch ist George Avakian in Manhattan gestorben. Er wurde 98 Jahre alt.

© SZ vom 25.11.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite