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Nachruf:Er hat den Weg geebnet

Ausstellung Otto van de Loo; Otto van de Loo

Otto van de Loo wurde am 9. März 1924 in Witten geboren. Von 1957 bis 1997 hat er in der Maximilianstraße in München eine Galerie geführt.

(Foto: Frank Mächler/dpa)

Zum Tod des inspirierten Galeristen und Sammlers Otto van de Loo, der mit 91 Jahren gestorben ist. Er war ein wichtiger Anreger für Gegenwartskunst nach 1945.

Von Gottfried Knapp

Für die Münchner Avantgarde-Gruppierungen "Spur", "Wir" und "Geflecht" war die Galerie Van de Loo in den Jahrzehnten, in denen die hiesigen Museen in fataler Rückgewandtheit verharrten, der einzige Ort in München, der einen Weg in die Öffentlichkeit und in die Zukunft zeigte. Von seinen Anfängen im Jahr 1957 an hat Otto van de Loo als Galerist, Sammler und Herausgeber von kunsttheoretischen Schriften auf die Individualisten der informellen Bewegung und auf die Maler der neuexpressiven Figuration gesetzt. So haben Künstler wie Emil Schumacher, KRH Sonderborg, Asger Jorn, Constant, Antonio Saura, Pierre Alechinsky, Antoni Tapies, Hans Platschek, Arnulf Rainer, Henri Michaux oder Roberto Matta hier ihren ersten Auftritt in Bayern erlebt. Und über das 1968 gegründete Forum der Galerie hat van de Loo zusätzlich eine Plattform für Aktionskünstler und Happenings geschaffen.

Die städtischen und staatlichen Kunstmuseen in München, die nach dem Krieg eine Art Parallelgesellschaft zum aktuellen Kunstgeschehen bildeten, nahmen von all diesen mutigen Aktivitäten lange Zeit keine Kenntnis. Und auch als van de Loo für seine in vielen Jahren zusammengetragene Sammlung von Spitzenstücken einen würdigen Erben unter den Museen suchte, kam es zu keiner Einigung mit den hiesigen Instituten. So wanderten 55 Werke aus der Sammlung in die Nationalgalerie Berlin. Und die 200 Arbeiten, die als Schenkung nach Emden gingen, erweitern die Bestände der dortigen Kunsthalle auf ideale Weise in die Nachkriegsjahrzehnte hinein.

Wie wichtig das Wirken von Otto van de Loo für die Künste war, lässt sich noch bis 3. Mai in der fabelhaften Retrospektive der Gruppe "Wir" im Museum Lothar Fischer in Neumarkt i. d. Opf. erleben. Der dort ausgestellte Teil der Kunstgeschichte wäre ohne van de Loo ganz anders verlaufen. Am 19. April ist dieser Förderer der Künste 91-jährig gestorben.

© SZ vom 23.04.2015
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