Nachruf Donald Bain

Er schrieb und schrieb, aber immer im Verborgenen. Jeden Tag brachte es Donald Bain auf zehn Seiten, am Ende waren es 125 Bände. Nun ist der Autor gestorben.

Von Willi Winkler

Wäre am Freitag nicht ein rühmender Nachruf in der New York Times erschienen, Donald Bain, dieser heimliche Held der Gegenwartsliteratur, wäre völlig unbesungen aus der Welt gegangen. Vermutlich hätte ihn das nicht weiter gestört, denn er wirkte lieber im Verborgenen und belieferte von dort aus unermüdlich den Buchmarkt. Bei einem täglichen Ausstoß von zehn Seiten kam so eine halbe Bibliothek zusammen. 125 Bände umfasst dieses Werk, Memoiren, Romane, Krimis, Gebrauchsliteratur. Bains Gesamtauflage muss in die Millionen gehen, und doch kennt niemand seinen Namen, weil er sich hinter lauter Pseudonymen versteckte. Allein unter dem Namen der fiktiven Heldin Jessica Fletcher schrieb er 46 Bücher nach der Fernsehserie "Mord ist ihr Hobby". Ein Bestseller wurde das Enthüllungsbuch, das er 1967 für zwei Stewardessen dichtete. Der Titel "Coffee, Tea, or Me?" (Kaffee, Tee oder mich?) verriet überdeutlich eine Geschichte der freiflottierenden Sechziger. Nichts wusste Bain von Michel Foucaults Abschied vom Autor, Originalitätssucht und Betriebsnarzissmus waren ihm ohnehin fremd, und doch schrieb er jedes Buch mit einem Ehrgeiz, "als wäre es mein wichtigstes". Vor einer Woche ist Donald Bain 82-jährig gestorben. Die Autoren der Welt sollten diesem vorbildlich bescheidenen Mann ein stilles Gedenken widmen.