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Nachruf:Die Tränen im Eisfach

Edward Albee

Lange galt Edward Albee, geboren am 12. März 1928, als einer der stärksten Dramatiker Amerikas. Den Pulitzerpreis bekam er für sein Stück "Empfindliches Gleichgewicht".

(Foto: AFP)

Edward Albee ist gestorben. Durch sein Ehekriegs-Stück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" wurde er weltbekannt. Der Amerikaner nannte sich gern einen "europäischen Autor".

Von Willi Winkler

Zweieinhalb Wochen war er alt, da fand er einen Käufer, Reid Albee, der eine Theaterkette geerbt hatte, und dessen mondäne Frau. Die beiden wünschten sich ein Kind, das zu ihnen passte und die Einrichtung nicht störte, und sie zahlten gern dafür. Mit 133,30 Dollar Adoptionsgebühr kam der Kleine nicht unbedingt günstig, aber er sollte eine Zierde sein fürs Heim, ein weiteres Schmuckstück. Diese Eltern waren nicht bloß wohlhabend, sondern klassische Rassisten, meinte er später, antisemitisch, bigott, politisch "rechts von Dschingis Khan", aber keine Eltern. Sie gaben ihm alles, was er wollte, er wollte es aber nicht. Angeblich wusste Edward Albee bereits mit acht Jahren, dass er schwul war, mit neun begann er zu schreiben, Gedichte, Erzählungen, Stücke, aber noch lieber wäre er Musiker geworden. Er musste weg von daheim.

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