bedeckt München 14°

Nachruf auf Didier Lockwood:Geiger der Herzen

Er kam vom Rock und wurde einer der bedeutendsten Jazzmusiker Frankreichs. Im Laufe seiner Karriere trat er mit Legenden wie Miles Davis und Herbie Hancock auf. Nun ist Didier Lockwood im Alter von 62 Jahren gestorben.

Von Helmut Mauró

Der französische Jazzgeiger und Komponist Didier Lockwood ist im Alter von 62 Jahren verstorben. Vor kurzem hatte er noch ein Album mit seiner Frau aufgenommen, der Sopranistin Patricia Petibon. Lockwood war einer der bedeutendsten Vertreter des französischen Jazz. Er stammt aus einer französisch-schottischen Familie und wurde 1956 in Calais geboren. Sein Vater hatte eine Professur für Geige, sein Bruder war Jazzpianist, sodass er schon früh den Beruf des Musikers ins Auge fasste. Zunächst als Rockmusiker bei der Gruppe Magma, später bei Fusion, schließlich bei verschiedenen Jazz-Formationen unterschiedlicher Richtungen.

Im Alter von 21 Jahren entdeckte ihn der Jazzgeiger Stéphane Grapelli, doch Lockwood behielt auch das traditionelle Komponistenhandwerk im Auge, schrieb zwei Opern, mehrere Violinkonzerte sowie Filmmusik. Bei den Jazzfestivals in Montreux und Newport war er ebenso zu hören wie bei den Donaueschinger Musiktagen. Gerne trat er mit anderen legendären Musikern auf, wie etwa Dave Brubeck, Billy Cobham, Stéphane Grappelli, Miles Davis, Michel Petrucciani, Herbie Hancock, Mike Stern und anderen. Im Laufe seines Lebens gab er weltweit mehr als 4000 Konzerte und nahm mehr als 35 Alben auf.

Lockwood wurde mehrmals ausgezeichnet, aber eine Würdigung berührte ihn wirklich: 1979 überreichte ihm der Geiger Jean-Luc Ponty sein Instrument, das ihm wiederum von Grappelli übergeben worden war. Der hatte es vom 1947 früh verstorbenen Michel Warlop geerbt, der als Vater der Jazzgeige in die Geschichte einging. Noch am Samstagabend spielte Lockwood in der Pariser Jazz-Bar "Le Bal Blomet". Am Sonntagmorgen erlag er einem Herzinfarkt.

© SZ vom 20.02.2018
Zur SZ-Startseite