Nachlass von August Wilhelm Iffland Strafanzeige gegen unbekannt

Der Vereinbarung zwischen Akademie und Inlibris war ein von der Akademie erstellter Provenienzvermerk vom 4. Oktober 2013 beigefügt, der erhebliche Zweifel daran erkennen ließ, dass der Verkäufer Hugo Fetting rechtmäßig über die Bestände verfügen konnte. Ausdrücklich wird eine Mitarbeiterin der Akademie zitiert, die sich daran erinnert, "dass die Iffland-Bände in einem Schrank in Hugo Fettings Arbeitszimmer aufbewahrt wurden und es keinen Zweifel gegeben habe, dass es sich dabei um eine Leihgabe aus der Staatsoper gehandelt habe, ob an die Akademie der Künste oder an Hugo Fetting persönlich, entzieht sich ihrer Kenntnis". Der Schlüsselsatz dieser Zeugin: "Es habe sich auf keinen Fall um den Privatbesitz Hugo Fettings gehandelt."

Nun tritt ein neuer Hauptdarsteller auf die Bühne: die Berliner Senatsverwaltung für Kultur. Sie hatte Wolfgang Trautwein, der Leiter des Akademie-Archivs, über den Vorgang informiert. Und hier war man Ende November 2013 nicht so einfach bereit, die Ansprüche auf das Iffland-Konvolut aufzugeben: Zwar, so ein Mitarbeiter der Senatsverwaltung gegenüber der SZ, habe die Akademie der Künste ihren Rechtsanspruch nicht nachweisen können, dennoch sei man sicher, es hier mit Eigentum des Landes zu tun zu haben.

Mit Schreiben vom 29. November 2013 teilte die Berliner Senatsverwaltung dem Wiener Antiquariat mit, sie habe "heute Strafanzeige gegen unbekannt sowie insbesondere gegen Herrn Dr. Hugo Fetting wegen aller in Betracht kommender Delikte gestellt". Zugleich ersuchte sie das Wiener Antiquariat, das Verkaufsangebot des Konvoluts für die Antiquaria in Ludwigsburg zurückzuziehen. Dem kam Inlibris umgehend nach. Gegenüber der SZ kündigte der Geschäftsführer Hugo Wetscherek an , man werde "bis zur vollständigen Provenienzklärung den Bestand nicht anbieten". Zugleich übergab er die Korrespondenzbände seiner Anwaltskanzlei. Der SZ gegenüber äußerte er sein Unverständnis, dass die Berliner Verwaltung nun, nach der mit der Akademie getroffenen Vereinbarung, plötzlich so massiv tätig geworden sei. Die Senatskanzlei wiederum zeigt sich "zuversichtlich", einen Anspruch auf Herausgabe durchsetzen zu können.

Es ist offenkundig, dass die Berliner Stellen hier nicht an einem Strang gezogen haben. So pocht der Wiener Antiquar jetzt gegenüber der Senatsverwaltung auf die mit der Akademie getroffene Vereinbarung. Zugleich fällt auf, dass die Vereinbarung selbst in dem ihr beigefügten Provenienzvermerk den Verkäufer sehr deutlich ins Zwielicht stellt. Wenn das aber so ist, warum hat dann die Akademie das Eigentumsrecht von Inlibris ausdrücklich anerkannt? Daraufhin befragt, sagt Wolfgang Trautwein, sein Haus habe bei einem Anwalt ein Gutachten in Auftrag gegeben, demzufolge ein Anspruch auf Herausgabe verjährt sei. Im übrigen gehörten die angebotenen Stücke an andere Stelle, sein Haus sammele vor allem zur Kunst ab 1900.

Es wäre ein Unglück, wenn das nun zum Glück wieder aufgetauchte Korrespondenzarchiv Ifflands durch den sich abzeichnenden Rechtsstreit lange unzugänglich bliebe, und es wäre ein großes Unglück, wenn es am Ende bei einem Privatsammler landen würde, der es unerreichbar für die Forschung machen könnte.