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Nachlass von August Wilhelm Iffland:50.000 Euro für die "Sammlung Fetting"

Wie die Auslagerung in den letzten Kriegsmonaten sich in größter Eile und nur notdürftig organisiert vollzog, so verlief auch die Bergung ungeordnet. Ein Teil war nach Hessen gelangt und kam über Umwege in die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Was im sowjetischen Sektor Berlins aufgefunden wurde, gelangte zu einem Teil an die Staatsoper Unter den Linden als Teil der ehemaligen Preußischen Theater, von dort wurde es ans Archiv der Akademie der Künste weitergereicht. Vieles, was den Krieg überstand, ist in der Nachkriegszeit verloren gegangen.

Es gehörte sicher zum Problem des Theatermuseums, dass es keine eigene Rechtspersönlichkeit besaß, es war ein Teil der Preußischen Staatstheater. So war auch die Frage der Rechtsnachfolge nicht ganz klar. Das wird dafür gesorgt haben, dass sich niemand verpflichtet fühlte, wieder zusammenzutragen, was einmal zusammengehört hatte. Was wir über das Museum und seine Bestände wissen, das verdanken wir der Theaterwissenschaftlerin Ruth Freydank und ihrem Werk "Der Fall Berliner Theatermuseum" von 2011. Minutiös hat sie die Quellen aufgearbeitet und das erhaltene Material nachgewiesen, wie es derzeit in der Staatsbibliothek und im Geheimen Staatsarchiv (beide Stiftung Preußischer Kulturbesitz) sowie im Landesarchiv Berlin und im Märkischen Museum aufbewahrt wird.

In den Nachkriegsjahren umfassender Unordnung kommt Hugo Fetting ins Spiel, Jahrgang 1923, Theaterwissenschaftler und zeitweiliger Mitarbeiter an der Akademie der Künste der DDR. Er ist es, der dem Wiener Antiquariat Ende 2012 seine "Sammlung Fetting", darunter die Iffland-Korrespondenz verkauft hat. Er habe dafür, wie er der SZ gegenüber sagt, 50.000 Euro erhalten.

Fetting hatte zuvor vergeblich versucht, seine Dokumente dem Archiv der Berliner Akademie der Künste zu verkaufen. Die aber wollte ihm, so der Leiter des Archivs, Wolfgang Trautwein, allenfalls einen "Finderlohn" bezahlen. Hinter diese Formel verbirgt sich eine Regelung, die von Archiven bei der Übernahme von Dokumenten verwendet wird, bei denen der Verdacht naheliegt, es handele sich ohnehin um Eigentum einer öffentlichen Einrichtung.

Um einen solchen Fall scheint es sich hier zu handeln. Hugo Fetting allerdings stellt es gegenüber der SZ anders dar. Er habe die Korrespondenzbände im Mai oder Juni 1953 gefunden, auf einer Müllhalde an der Berliner Oberwallstraße, wo sich die Generalintendanz befunden hatte. Auch andere Archivalien hätten dort gelegen, so habe er beobachtet, dass ein zweiter Freund der Theatergeschichte die Personalakten zu Alexander Granach und Gustav Gründgens an sich genommen habe. Fetting also will herrenloses Gut an sich genommen und dadurch gerettet haben. Aber ist es wahrscheinlich, dass in der frühen DDR, die das klassische Erbe ins Zentrum der Kulturpolitik stellte, so sorglos mit einem Bestand umgegangen wurde, der direkte Verbindungslinien zwischen Berlin und Weimar aufzeigte?

Im Wiener Antiquariat Inlibris entstanden bei näherer Sichtung der angekauften "Sammlung Fetting" Zweifel daran, dass sich alle Sammlungsgegenstände tatsächlich Eigentum des Verkäufers gewesen waren. Daraus resultierten ab Anfang 2013 Verhandlungen zwischen dem Antiquariat und der Akademie der Künste in Berlin, die eine Sichtung des nun in Wien liegenden Materials durch den zuständigen Archivar einschlossen. Ergebnis war eine am 16. Oktober 2013 unterzeichnete Vereinbarung zwischen dem Akademiearchiv und Inlibris. Danach übergab das Wiener Antiquariat alle Bestände, an denen die Akademie ein Eigentumsrecht plausibel machen konnte, an deren Archiv.

Zugleich aber hielt der Punkt 2.6. der Vereinbarung ausdrücklich fest: "Die Akademie der Künste anerkennt das Eigentumsrecht von Inlibris an der Aktensammlung der Theaterdirektion unter Iffland am deutschen Nationaltheater Berlin". Damit, so Hugo Wetscherek von Inlibris, sah sich sein Haus berechtigt, die 34 Bände zum Verkauf anzubieten.